Hartz-IV:PC – Keine Erstausstattung Ein Kommentar

Mittwoch, 12. Mai 2010
Berichtet von Adimin

olpc-smallEinen PC und Internet braucht ein Hartz 4 Empfänger nicht. So urteilt das LSG NRW . Den normalen Haushalt kann man auch ohne PC führen und Informationen sich aus dem Radio und Fernsehen holen.

Das mag zwar formell richtig sein, teilt aber die Bevölkerung wieder in Klassen auf. Und hier sind nicht nur die einzelnen H4-Empfänger betroffen, sondern auch deren Familien.

Ein PC mit Internet ist heutzutage Standard. Ohne PC ist man heute ausgegrenzt und kaum in der Lage eine Teilhabe am Leben zu erfahren.

Viele Stellen werden heute per Internet ausgeschrieben. Bewerbungen sollen z.Teil per Mail versandt werden. Auch sollen die Bewerbungen perfect gestaltet und ausgedruckt sein. Handschriftlich oder Schreibmaschine hat heute keine Chance mehr.

Von den Schulkindern wird heute schon erwartet, das sie PC, Drucker und E-Mail haben. Wochenaufgaben, Arbeitsblätter und andere wichtige Schuldinge werden heute per E-Mail versandt und die Eltern müssen es ausdrucken. Ergänzende Informationen, die ein Lehrer früher hergestellt und kopiert hat, werden heute nur noch per Link den Schülern mitgegeben. “Holt Euch die entspechenden Informationen aus dem Internet unter folgenden Links…………………” ist für die Lehrer einfacher, für die Schulen kostensparender und bringt für Kinder von H4 und niedrigen Einkommen Probleme.

Es wird einfach vorausgesetzt, das ein Rechner mit Internetanschluß vorhanden ist.

Der Verweis auf Internetcafes ist auch nicht einfach zu befolgen und nicht in jedem Fall möglich. Sicherlich gibt es in Großstädten die Möglichkeit, ein Internetcafe aufzusuchen. In kleineren Städten und in ländlichen Gegenden ist diese Möglichkeit mangels Vorhandensein nicht gegeben oder nur unter Schwierigkeiten zu erreichen.Zu den teuren busfahrten kommen dann ja auch noch die Gebühren des Inhabers, der ja auch leben möchte und die Dienstleitung nicht umsonst zur Verfügung stellt.

Es ist sicherlich richtig, das ein hochgezüchteter PC nicht unbedingt für die Informationsbeschaffung und die Teilhabe am sozialen Leben wichtig wäre. Aber ein normaler PC, mit dem der Schriftverkehr erledigt, die Informationen eingeholt und die E-Mails abgeholt werden können sollte als Standard angesehen werden.

Hier würde sich vielleicht etwas ähnliches wie das 100 Dollar – Notebook anbieten, das als Charityprojekt für die Entwicklungshilfe wie Afrika entwickelt wurde. damit haben z.B. die Kinder dort, die Möglichkeit, sich unabhängig vom Einkommen der Eltern zu bilden und Chancen auf ein besseres Leben zu bekommen.

Eine Grundausstattung für unser aller Fortkommen.

Nur ob so etwas im Interesse der Politik liegt? Im Interesse der Wirtschaft?

Gebildete Menschen sind nichts zum Billiglohn. Nicht zum Ausbeuten. Also reiht sich das Urteil ein in die lange Reihe von Maßnahmen gegen die “Unterschicht”.

Ich hoffe , das hier evtl. ein Schritt weiter gegangen wird und das BSG entscheiden muss. Das kann noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Bitte auch hier mitdiskutieren:

Hartz-IV-Empfänger müssen PC selbst bezahlen – Keine Erstausstattung.

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5 Antworten to “Hartz-IV:PC – Keine Erstausstattung Ein Kommentar”

  1. Ich hab auf einer Website eine ethische Analyse zum Thema gelesen.

    Der Zugang dort scheint mir gut fundiert: Nicht über Informationsarmut, sondern über das Gut “Vernetzung” zu argumentieren.

    Lies mal rein, wenns dich interessiert: http://www.ttn-institut.de/node/902

    #121
  2. Wie das in der Praxis aussieht, darüber habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.

    Ich selbst habe Arbeit und bekomme immer wieder Bewerbungen zugesendet. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht schadet, wenn gerade Hartz IV-Empfänger einen Rechner zur Verfügung haben und im Umgang mit dem Gerät auch fit gemcht werden.

    #118
  3. Wie das in der Praxis aussieht, darüber habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.

    Ich selbst habe Arbeit und bekomme immer wieder Bewerbungen zugesendet. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht schadet, wenn gerade Hartz IV-Empfänger einen Rechner zur Verfügung haben und im Umgang mit dem Gerät auch fit gemcht werden.

    #116
  4. cf

    Ich hab auf einer Website eine ethische Analyse zum Thema gelesen.

    Der Zugang dort scheint mir gut fundiert: Nicht über Informationsarmut, sondern über das Gut “Vernetzung” zu argumentieren.

    Lies mal rein, wenns dich interessiert: http://www.ttn-institut.de/node/902

    #113
  5. Clivie

    ich finde dieses Urteil ganz schlimm, hoffentlich wird gegen dieses Urteil Berufung eingelegt, denn auch von den HartzIV Empfängern wird erwartet, sich online zu bewerben, das kann hier im Sauerland nicht vom Internetcafe aus gemacht werden, hier in meiner Umgebung gibt es keines.
    Und hier auf dem Lande,könnte ich noch nichtmal zur nächsten Bushalte kommen, die ist drei KM von mir entfernt, da ich nicht gut zu Fuß bin, und bezahlen kann das auch keiner, die Busfahrkarte.

    #108

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