Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Wer wir?

Montag, 17. Mai 2010
Berichtet von Adimin

KochtabuIn einem Interview mit dem Spiegel hat der hessische Ministerpräsident Koch die Worte seiner Chefin aus Berlin wiederholt: Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt!

Nachzulesen ist das Interviev hier : http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,695091,00.html .

Nun werden wir langsam auf Sparmaßnahmen eingestimmt. 50 Milliarden in den nächsten Jahren

Bild mit Dank von http://www.stuttmann-karikaturen.de müssen es wohl werden.

Überall wird gespart werden müssen. Weil wir Deutschen über unsere Verhältnisse gelebt haben. Es wird auch nicht mehr gesagt, ob wir sparen werden, nein nur noch das wie ist gefragt.

Nun stellt sich mir aber die Frage, wer denn über seine Verhältnisse gelebt hat.

Ja gut, der Deutsche an sich. Nur hat der Deutsche an sich denn bewußt und gewollt über seine Verhältnisse gelebt? Wurde der Deutsche denn gefragt, ob er über seine Verhältnisse leben wollte? Hmmmm, mich hat keiner gefragt. Und viele Millionen Menschen hat auch keiner gefragt.

Wer lebt denn nun über seine Verhältnisse?

Dröseln wir doch einmal den Deutschen an sich ein wenig auf. Das Deutsche Volk ist ja nicht nur auf ein Leben über den Verhältnissen aus.

Also haben wir da  die Arbeiter und Angestellten. Die immer ihre Arbeit verrichten und den Konzernen, Banken , Arbeitgebern zu ihren Umsätzen verhelfen. Ja, die leben über ihre Verhältnisse, denn sie möchten für gute Arbeit auch gutes Geld bekommen. Sie möchten ihre Familien ernähren können und sich auch mal etwas gönnen. Ja, das ist über die Verhältnisse.

Nein, sagen die Arbeitgeber, das geht ja garnicht. Wir leben über unsere Verhältnisse, wir müssen sparen. Aus diesem Grunde schwebt ja auch die Angst über diesen Menschen. Lohnverzicht, Urlaubsgeldentsagung, usw. nur um den Arbeitsplatz behalten zu können. Und dann am Ende nach einer Schamfrist doch entlassen zu werden. Oder nach Rekordbilanzmeldungen gleich entlassen zu werden, da es ja auch mit noch weniger Personal gehen wird. Siehe Deutsche Bank. Oder in den Fabriken werden oft die eben erst entlassenen Menschen über Zeitarbeitsfirmen zu erheblich niedrigeren Konditionen und schlechter oder keiner sozialen Absicherung durch das Werk wieder eingestellt. Wo leben diese Menschen über ihre Verhältnisse?

Und was ist mit den Millionen Menschen, die trotz aller Bemühungen auf dem immer kleiner werdenden Arbeitsmarkt keinen Arbeitsplatz bekommen haben? Die nach kurzer Zeit in Hartz4 gelandet sind? Die Leben natürlich über ihre Verhältnisse. Die haben erst einmal das meiste ihres Ersparten verbraten müssen,bevor sie in Hartz 4 gelandet sind. Richtig so, kann doch nicht sein, das es noch “kleine” Bürger gibt, die Ersparnisse haben. Das muss in den Kreislauf. Und Hartz4, das ist doch viel zu viel. Die Hartzer leben doch über ihre Verhältnisse.

Und die Behinderten Menschen, chronisch Kranken, Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder Problemen? Teilhabe? Soziale Teilhabe? Wovon träumen die denn. Die sollen doch froh sein, wenn sie satt, sauber trocken sind. Alles andere wäre doch über die Verhältnisse Leben.

Wen gibt es denn noch, der über die Verhältnisse lebt?

Tja, nun haben wir ja schon 4/5 der Bevölkerung genannt, die wohl weniger über ihre Verhältnisse leben. Und wenn auch dafür bezahlen müssen. Mit ihrem eigenen Geld.

Was bleibt uns noch?

Unternehmer, Banker, Millionäre, Politiker, Börsenzocker. Das sind diejenigen , die über die Verhältnisse leben. Die im Namen der Deutschen das Geld rauswerfen. Die überall die Milliarden verzocken. Die mitnehmen was sie kriegen können und den hals nicht vollkriegen. Die in Europ z.B. Milliarden investieren und die Pleitebanken mit etlichen 100 Milliarden künstlich “gestützt” haben. Wobei ich sicherlich nicht alle Unternehmer hier über einen Tich ziehen möchte. Es gibt auch Unternehmer, die diese Bezeichnung noch verdienen. Die in Deutschland produzieren, ihren Mitarbeitern gute Löhne und Gehälter zahlen und weiter denken. Aber diese Menschen kann man heute wohl nur noch an einer Hand abzählen.

Aber wie Herr Koch in dem Interview auch sagt: Wir können garnicht anders als die Milliarden nach Europa zu zahlen. Wir haben nämlich kaum noch etwas über unsere eigenen Finanzen und Entscheidungen das sagen. Wir sind mehr in Europa integriert als geplant und gedacht war. Alles eine Gemengelage und eine Verzahnung. Wenn andere Untergehen, dann gehen wir mit. Wir müssen halt so handeln.

Mußten deshalb in Deutschland schon seit 2003 immer mehr das Lohn- und Sozialnieveau gesenkt werden?

Eigentlich wurde früher Europa so erklärt:

Alle Staaten sollen auf einen Stand kommen. Also die ärmeren Staaten sollten auf das Niveau der reicheren Staaten gehoben werden, so das alle Menschen von Europa profitieren sollten. So habe ich es zumindest noch in der Schule gelernt. Das man aber ein starkes und reiches Land wie es Deutschland ja ist, resp. war, im Lohn- und Sozialniveau auf ein Billiglohnland herunterdrückt, das war nicht der Geist Europas.

Und mittlerweile gibt es mehr Menschen, die ob durch Arbeit oder Sozialleistungen am Rande der Armut und des Elends leben als Menschen, die nicht über ihre Verhältnisse leben. Und die auch kaum Chancen haben, über ihre Verhältnisse zu leben. Die einfach nur einfach aber ausreichend leben wollen. Die Teilhaben können.

Aber wenn man die Meldungen so liest und die Politik beobachtet wird einem schon Angst und Bange. Wir können uns schon denken, wo gespart werden wird. Hoffen wir, das wir uns irren. Ansonsten könnte es übel enden. So oder so.

Sicher ist nur: Sparen werden wir, das Volk müssen. Das gemeine Volk. Da oben, da wird sicher nicht gespart.

Man darf über dieses Thema auch gerne im Form diskutieren. Und zwar hier: http://www.aktive-erwerbslose.net/forum/newstagespressediskussionen/wir-haben-uber-unsere-verhaltnisse-gelebt-wer-wir/

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