2 Klassen Armut, 3 Klassen Armut oder mehr?

Montag, 2. August 2010
Berichtet von Adimin

2 Klassen Armut, 3 Klassen Armut oder mehr?

Was ist ein Existenzminimum? Gibt es verschiedene Armut?

Pünktlich zum Sommerloch beginnt nun also die Diskussion, was das Existenzminimum ist und wie es berechnet wird.

Erinnern wir uns:

Das BVG hat im Februar eindeutig geurteilt, das die Berechnung des Existenzminimums transparent gestaltet sein muss und auch nachvollziehbar. Eine Berechnung, die man auch nachvollziehen kann. Auch die Regelsatzberechnung für Kinder ist nicht nachvollziehbar und muss neu geregelt werden. Kinder brauchen Geld um die notwendigsten Lebens-, Bildungs-, und Teilhabemöglichkeiten auszuschöpfen.

Nun sind ja noch viele andere Gruppen von Menschen auf das Existenzminimum angewiesen.

Auch die Grundsicherung nach SGBXII ist mit der nach SGBII gekoppelt. Also betrifft es auch Menschen im Alter, dauernd erwerbsunfähige und behinderte Menschen und Menschen, die Sozialhilfe beziehen.

Alle müssen vom gleichen Satz leben.

Nun möchte die Regierung gut dastehen und trotzdem sparen.

Wie bekommt man das unter einen Hut?

Ganz einfach, in dem man eine Mehrklassenarmut schafft.

Mehr Geld? Jaaaaaa, aaaaber:

Man könnte ja, um des Urteils willen, das Existenzminimum anheben, aber beileibe nicht für alle.

Kinder brauchen mehr, aber doch kein Geld. Da alle Hartzer schlechte Menschen sind, die ihr Geld vertrinken, verrauchen und für unnütze Dinge ausgeben wollen wir aus einer Ausnahme mal schnell die Regel machen. Gutscheine sind die Lösung. Damit bieten wir doch den Kindern etwas Gutes. Sie kriegen zwar nicht mehr Geld, sie werden nicht besser leben, aber sie dürfen sich bilden und in Vereine gehen. Das werden wir großzügig bezahlen. Natürlich nicht in bar. Nein, eine Chipkarte in modernen Zeiten muss es sein. Damit die armen Kinder auch ja in den Genuss des „Angebotes“ kommen. Es ist ja auch überhaupt sehr cool, seinen Mitgliedsbeitrag oder andere Dinge mit der Chipkarte zu bezahlen.

Hiermit werden ja nicht Millionen Menschen und ihre Kinder gebrandmarkt.

Und man darf nicht vergessen, dass man dann auch bis 25 Jahren noch ein Kind ist. Denn den Kindersatz von 285€ bekommt man, solange man noch zu Hause lebt, bis man 25 ist. Und ausziehen ohne wichtigen Grund ist nicht. Da haben wir doch für 7 Jahre bei einem Menschen Geld eingespart. Wer das nicht möchte, der kann ja mit 18 zum Bund gehen und nach Afghanistan.

Und dann haben wir ja noch die Behinderten und Alten Menschen.

Die Planungen und Wünsche der Länder gehen ja schon dahin, das die Koppelung der Grundsicherung nach XII von der Grusi nach SGBII abgekoppelt wird. Bisher bekommen diese Menschen ja bei einer Erhöhung von Hartz IV auch gleich eine Erhöhung.

Wofür eigentlich? Die sitzen doch ur rum und haben keine Ausgaben. Die brauchen nicht mehr teilhaben am Leben. Und wenn sie noch eine eigene Wohnung haben, dann sind sie doch selber Schuld. Wenn sie nicht genug Rente bekommen oder keine Rente? Auch selber Schuld. Was werden sie auch alt, krank oder behindert. Das muss man doch nicht auch noch unterstützen. Es reicht ja, wenn sie sich ernähren können. Bisschen Unterkunftskosten und fertig. Da können wir ja ruhig eine andere Existenzgrundlage annehmen. Und je kleiner wir sie halten, umso eher gehen sie ins Heim oder üben das sozialverträgliche Ableben. Haben wir wieder gespart.

Und so haben wir also schon mindestens 3 Klassen von Existenzminimum. Kann es noch schlimmer werden? Kann es soweit überhaupt kommen?

Vielleicht bin ich zu pessimistisch, vielleicht aber auch nicht.

Wer das mit uns diskutieren möchte kann die gerne tun.

Hier diskutieren

Hinterlassen Sie einen Kommentar