Diskriminierung durch den Bildungschip

Freitag, 20. August 2010
Berichtet von Archetim

ursel_von_der_leyen

Während die Pläne zum von-der-Leyen’schen Bildungschip immer konkretere Züge annehmen, wird auch in den Bundesländern über deren Einführung trefflich diskutiert. Nach aktuellen Informationen des Radiosenders Antenne Bayern beschränkt sich die Kritik aus den Ländern jedoch auf allzu durchsichtige Scheinargumente und geht am eigentlichen Hauptproblem vorbei.

So sieht CSU-Vizegeneralsekretärin Dorothee Bär das Problem darin, dass durch die Chipkarte „in anmaßender Weise“ die elterliche Erziehungsfreiheit beschränkt werde. NRW Sozialminister Guntram Schneider sorgt sich hingegen um den organisatorischen und finanziellen Aufwand bei der Anschaffung der entsprechenden Lesegeräte. Spätestens hier kommen einem vor Lachen die Tränen, da wir seit der Bankenrettung genau wissen, dass Milliardenbeträge über Nacht locker gemacht werden können, wenn es nur politisch gewollt ist. Das eigentliche Problem an von der Leyens Plänen ist die Diskriminierung der Hartz-IV Bezieher – und zwar in doppelter Hinsicht.

Durch die Einführung der Chipkarte und der „engen Zusammenarbeit“ von Jobcentern und Schulen werden auch noch die letzten Hartzer, die unter größten Anstrengungen erfolgreich anonym leben, als eben solche geoutet. Dies ist insofern diskriminierend, da Politik und Medien seit Einführung der Harzt-IV Gesetze eine epochale Hetzkampagne gegen Lanzeitarbeitslose geführt haben und noch immer führen, die in der breiten Bevölkerung das Bild des faulen Sozialschmarotzers zementiert hat, der gesellschaftlich ausgegrenzt ein Leben in Wohlstand und Suff führt.

Das andere große Problem ist die zwangsweise fortbestehende und offensichtlich gewollte Neiddebatte. Natürlich werden sich die Normal- und Wenigverdiener zurückgesetzt fühlen und protestieren, weil „die Hartzer“ schon wieder eine Leistung vom Staat erhalten, die ihnen verschlossen bleibt. Warum sollte man noch arbeiten wollen, wenn man sich kaum Schwimmbad- oder Museumsbesuche leisten kann, während die Schmarotzerkinder auch das noch in den Allerwertesten geblasen kriegen. Hier wird mit voller Absicht gesellschaftlicher Zündstoff gebastelt um den Druck auf Langzeitarbeitslose weiter zu erhöhen.

Ginge es den von der Leyens dieses Landes tatsächlich um die Kinder, würde man Bildung, Kultur und Vereine, eben alles, was jetzt auch gefördert werden soll, für Kinder generell kostenlos anbieten. Die entsprechenden Einrichtungen könnten entweder direkt mit dem Staat abrechnen, oder man führt die Chipkarte für jedes Kind ein – unabhängig von seiner Klassenzugehörigkeit oder der seiner Eltern. Das Geld ist da und selbst wenn nicht, wären das zur Abwechslung mal Zukunftsinvestitionen, für die man gerne einen Kredit aufnimmt

Hinterlassen Sie einen Kommentar