Ich und Hartz-IV

Mittwoch, 18. Mai 2011
Berichtet von Rudi Wühlmaus

ScreenshotBewertungWir veröffentlichen hier einen Beitrag von unserem Mitglied ASMODIS

Es existiert ein ganz bestimmtes Bild von Hartz-IV-Empfängern, das landauf, landab unisono von den Medien gezeichnet wird und an dem sich auch unsere Volksvertreter orientieren. Letztgenannter Gedanke liegt jedenfalls sehr nahe, wenn man bspw. Äußerungen wie jüngst von Christine Haderthauer (CSU), wonach es bei Hartz IV noch zu wenig Leidensdruck für die betroffenen Menschen gibt, hört. Dieses Bild zeichnet den Hartz-IV-Empfänger als einen faulen, ungebildeten, fernseh- und alkoholsüchtigen Betrüger, der auf Staatskosten ein Leben in Saus und Braus führt.

Es handelt sich um ein Zerrbild, bei dem man sich fragen muss, wem das eigentlich von Nutzen ist, wem so ein unterstellender und durch nichts zu begründender Generalverdacht etwas bringt. Warum wird hier ein Vorurteil zementiert? Die Wirklichkeit sieht nämlich gänzlich anders aus. Wie sie aussieht – wie also Hartz-IV in der Praxis gehandhabt wird – ist aus einem Fallbeispiel ersichtlich. Dieses Fallbeispiel bildet den Inhalt des kostenlosen PDF-E-Books “Ich und Hartz-IV” (Download unter http://asmodis.heimat.eu/iuh4.pdf). Das Buch beschreibt einen Hartz-IV-Leidensweg im Umgang mit einer ARGE, die anhand von Schulnoten unter Sozialticker24 einen Durchschnittswert von 4,6 erhalten hat.

VorladungSchulkindEiner der dortigen Kommentatoren schrieb (Zitat): “Wer da landet, dem kann auch der liebe Gott nicht mehr helfen! Unfreundliche, inkompetente und völlig arrogante Angestellte!” Ein anderer meinte (Zitat): “Wer hier hin muss, der hat bereits verloren.” Oder auch (Zitat): “Das JobCenter XXX hat mein Leben ruiniert! Ich hasse es. Ich fühle mich hier wie ein Gefangener! Das ist nicht menschlich, dass ist Quälerei!” Als Außenstehender könnte man derartige Meinungsäußerungen als vollkommen überzogen abtun. Doch “Ich und Hartz-IV” belegt, dass diese Kommentare keineswegs Überteibungen sind, sondern vielmehr den Alltag der Hartz-IV-Praxis wiedergeben.

Das Buch beschreibt den kompletten Weg eines Absturzes aus der Mittelschicht (übrigens ein Absturz, der über kurz oder lang jeden trifft, der seinen Job verliert). Beginnend mit der Untätigkeit der BA hisichtlich einer Vermittlung im ALG-I-Bezug werden die Schwierigkeiten beim Antrag auf ALG-II geschildert, wobei sich Arroganz und Selbstherrlichkeit der Behördenverteter paaren. Verschwundene Unterlagen, falsch berechnete Hartz-IV-Bescheide, Inkompetetnz, Kompetenzüberschreitung mit dem Ziel der Sanktion, Schikane, Demütigung, Drohung, Angriffe auf unbeteiligte Familienmitglieder usw. – all das ist geübte Praxis, tatsächlich geschehen. Es wird chronologisch und so sachlich wie möglich dargestellt.

Das Ziel dieser Maßnahmen besteht letztlich darin, den Anspruchsberechtigten aus dem Hartz-IV-Bezug heraus zu drängen. Er ist dann “statistikbereinigt” und taucht nirgendwo mehr auf. Weil er keinen einzigen, müden Cent mehr erhält. Wir haben mittlerweile Millionen von “Statistikbereinigten”. Wie das funktioniert, ist in “Ich und Hartz-IV” ebenfalls nachzulesen. Das Konstrukt der Bedarfsgemeinschaft wird behördenseitig dazu heran gezogen, um auf dem Wege der Sippenhaft Jobcenterforderungen durchzusetzen. Kennt der Hartz-IV-Empfänger seine Rechte, dann hält man sich eben an dessen Familie und übt auf die Druck aus. Da wird schon mal das schulpflichtige Kind unter Sanktionsandrohung zu einem Gespräch über das Bewerberangebot heran zitiert und ihm das Verlassen der Schule nahe gelegt. Da erhält schon mal die in (unbefristeter) Arbeit befindliche Gattin des arbeitslosen Familienvaters eine Eingliederungsvereinbarung inklusive Neuauflage der NS-Residenzpflicht von 1933, womit ihr die Fortführung ihrer Berufstätigkeit indirekt untersagt wird. Man sichert sich eben seine Kundschaft.

egvGattinUnglaublich – aber wahr. Leider. Und ganz sicher auch kein Einzelfall. Die Vorgehensweise ähnelt dabei in frappierender Weise dem Gegenstück in einem einen anderen deutschen Staat – und zwar vor rund siebzig Jahren. Sind wir wirklich schon wieder so weit? Wer also ernsthaft an authentischen Informationen über Hartz-IV und den Umgang mit den “Kunden” (deren Leidensdruck ja noch erhöht werden muss – s. o.) interessiert ist, der bzw. die lade sich dieses Buch herunter und lese es. Der Tatsachenbericht schließt mit den Worten:

“Ich möchte endlich wieder in einem Land leben, in dem es sich zu leben lohnt. In dem es um die Menschen und nicht um den geradezu obszönen Gewinn für einige Wenige geht. Dazu aber ist es notwendig, dass die Leute langsam aufwachen. Noch haben wir eine Demokratie; noch ist es nicht zu spät. Deswegen meine Bitte: Verbreitet dieses Buch weiter! Ob per Downloadangebot, E-Mail, privat gedruckt oder wie auch immer – ganz egal! Rüttelt eure Mitmenschen wach!”

Das E-BOOK wird hier zum Download angeboten und es kann und darf auch diskutiert werden

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