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Autor Thema: Sanierungsfall Deutschland: Arbeitsagenturen  (Gelesen 4800 mal)
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« am: September 03, 2007, 05:42:13 »

FAKT vom 21.08.2006

Manuskript des Beitrages
von Barbara Dobke

Arbeitsagenturen und Kommunen sollen Menschen wieder in Erwerbsarbeit vermitteln. Diese Doppelstrukturen sind nicht nur teuer, sondern auch ineffektiv.



Die Ausgaben für Leistungen nach dem so genannten SGB II sprengen zunehmend die öffentlichen Haushalte. Rund 7.000.000 Deutsche beziehen Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld - Das sind rund 8,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Den Steuerzahler kosten allein diese Leistungen jährlich rund 37 Mrd. Euro. Hinzu kommen horrend gestiegene Verwaltungskosten in Höhe von rund vier Mrd. Euro pro Jahr.

Heißt: Allein für Bürokratie werden heute 60 Prozent mehr ausgegeben, als vor der Einführung von Hartz IV. Hauptursache: Das Konstrukt der Argen. Im Normalfall verwalten Agentur für Arbeit und Kommunen GEMEINSAM ALG-II-Empfänger. Ein bürokratischer Moloch ist so entstanden, der jährlich stattliche 1.500 Millionen Euro zusätzlicher Verwaltungskosten verursacht.

Dabei geht es auch völlig anders: Löbau-Zittau in Sachsen. Sylvia Graf arbeitet beim Fachdienst Beschäftigung und Arbeit. Der Landkreis ist ein Modellversuch, eine von 69 so genannten Optionskommunen. Hier hat nur EINE Behörde das Sagen - die Arbeitsagentur bleibt außen vor. Personal wird da eingesetzt, wo es am meisten bringt. Der Job von Sylvia Graf: Klinkenputzen bei Arbeitgebern. Etwa bei dem Tiefbauunternehmen von Geschäftsführer Frank Scholze.
 
O-Ton: Sylvia Graf
"Guten Tag Herr Scholze, ich komme vom Fachdienst Beschäftigung und Arbeit, wir hatten miteinander telefoniert."

Das Prinzip: Personal so effektiv wie möglich einsetzen. Bei nur einem Dienstherrn vergleichsweise einfach. Im Fall von Sylvia Graf zahlt sich das aus: Zusammen mit fünf Kollegen hat sie seit Anfang des Jahres fast 700 dauerhafte Jobs akquirieren können.
 
O-Ton: Frank Scholze
"Frau Graf, wir können und das mal anschauen, damit sie sich ein Bild machen können. Straßenbautechnik, moderne, verschiedene Mobilbagger, Kettenbagger sind zu besetzen. So dass wir also durch aus Bedarf haben und sie bitten würden uns da weitestgehend zu unterstützen."

Drei Baumaschinenführer sucht Frank Scholze eigentlich - Sylvia Graf überredet ihn, auch noch einen Baumaschinenschlosser anzustellen. Dafür kommt das Amt bei der Finanzierung einwöchiger Probezeiten entgegen.
 
O-Ton: Sylvia Graf
"Ich würde ihnen morgen Bescheid geben wegen der Trainingsmaßnahme, wären sie einverstanden, wenn wir damit am Montag beginnen könnten?"
 
O-Ton: Frank Scholze
"Na klar, wir haben denke ich nach einer Woche den Einblick um zu wissen, ob die Leute geeignet sind."

Im Rest der Republik ist intensive Jobsuche durchs Amt keine Selbstverständlichkeit. Nur 28 Prozent der Argen mit den doppelten Dienstherren machen das - aber 68 Prozent der Modellversuche, in denen nur EINE Behörde das Sagen hat. Die Abteilung entstand in Löbau-Zittau nicht am grünen Tisch: Kollegen von Sylvia Graf wie Fallmanagerin Jaqueline Herbst hatten im vergangenen Jahr Defizite erkannt.
 
O-Töne: Jaqueline Herbst
"Es waren im Projektmanagement damals ein paar Stellen, die Arbeitsplätze gesucht haben, die mit Arbeitgebern Kontakt hatten. Das war einfach zu wenig. Und daraus entstand dann einfach eine einzelne Abteilung, der Arbeitgeberservice um einfach diese Arbeitssuche zu intensivieren. Aber das ist eben Entscheidungsfreiheit."

Entscheidungsfreiheit, die die sonst üblichen Argen wegen ihrer komplizierten Abstimmungsmechanismen zwischen zwei Behörden so nicht haben.

"Morgen kommen sie rein, nehmen sie Platz."

Eine Studie des Instituts für Staats- und Europawissenschaften attestiert den Argen darüber hinaus fehlende strategische Personalentwicklung. - Anders bei den Modellversuchen wie hier im Landkreis: Deren Mitarbeiter seien motivierter und qualifizierter bei der Sache. Eigeninitiative statt Schema F, wie im Umgang mit Kundin Ina B.

"Sie wollte eigentlich einen Kurzkurs machen, wo ich dann gesagt habe, das machen wir nicht, es wäre in sofern kein Abschluss gewesen, es wäre ein Zertifikat gewesen, was der Bürgerin absolut nicht weiter geholfen hätte."

Einfache Strukturen, flexible effektive Verwaltung. Das Ergebnis: Jaqueline Herbst kann sich intensiver um ihren eigentlichen Job kümmern - Menschen in Arbeit zu bringen.

"Dann erst mal schönes Wochenende."

Ina B.:
"Wiedersehen."

Der Geschäftsführer des Fachdienstes, Gernot Kaus, glaubt, das geht nur, weil hier in Löbau-Zittau lediglich eine Behörde involviert ist - anders als bei den Argen im großen Rest der Republik.
 
O-Ton: Gernot Kaus
"Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es etwas schwierig ist, zwischen den Interessen einer Bundesbehörde und den kommunalen Interessen immer wieder hin und her zu springen. Ich habe es da einfacher. Ich habe einen Kreistag, in dem Kreistag sitzen Bürgermeister, die unmittelbar an den Bürgern dranhängen und das ist für mich das Maß der Dinge. Danach muss die Arbeit im Fachdienst organisiert werden. Und von daher denke ich schon dass wir mit dieser Linie doch eine sehr hohe Treffsicherheit haben, was für den Landkreis und was für die Bürger hier wichtig ist und nur das zählt."

Und das spart auch Geld: Die Verwaltungskosten hier sind im Vergleich zum Rest der Republik, der von Argen betreut wird, um knapp 30 Prozent niedriger. Würde das Modell auf den Bund übertragen, bestünde ein Einsparpotential von gut einer Milliarde Euro Verwaltungskosten jährlich.
 
O-Ton: Jaqueline Herbst
"Mache ich, okay. Das legst Du gleich wieder an."

Die Argen auflösen und stattdessen Kommune oder Arbeitsagentur alleine mit dem ALG-II beauftragen, heißt deshalb auch die Forderung des Deutschen Landkreistages. Nicht nur weil der Steuerzahler hochgerechnet rund eine Milliarde Verwaltungskosten einsparen könnte, sondern auch, weil am Ende möglicherweise mehr Langzeitarbeitslose einen Job finden. Übrigens: Widerstand gegen eine Reorganisation ist eher unwahrscheinlich. Fast die Hälfte der Argen würde sich nach besagter Studie lieber früher als später selbst auflösen.
 
zuletzt aktualisiert: 21. August 2006 | 23:19



Es ist sicher geboten, manche politische Entscheidung nicht nur zu überdenken, sie besser zu eliminieren. Die Mängel existierten schon mit dem Beginn der Agenda 2010 im Jahr 2002 und hätten leicht erkannt werden können! Die Politiker haben´s lediglich ab genickt. Solche, die wir gewählt haben!

niewtor   

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