Storch HeinarStorch Heinar
Aktive Erwerbslose in Deutschland (AEiD)

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Übersicht Aktuelles Hartz IV Infobank Daily News Impressum Mitglieder Registrieren
News:


Seiten: [1]   Nach unten
  Drucken  
Autor Thema: Vorstellungsgespräch rechtsfreier Raum?  (Gelesen 3287 mal)
Jhonny Cole
Normale Mitglieder
*
Offline Offline

Beiträge: 37



« am: August 10, 2010, 15:28:38 »

Hallo,

ich hatte vor kurzem ein Vorstellungsgespräch infolge eines Vermittlungsvorschlages mit Rechtsfolgebelehrung.
Es stellte sich schnell heraus, dass die Entlohnung quasi die Grenze zur Zumutbarkeit 'küsst' (~5€). Es gibt weder Betriebsrat noch (Mantel-)Tarifvertrag. Überstunden werden nicht bezahlt. Es gibt kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Das Ganze bei einer 45-Stundenwoche über Wochenenden und Feiertage hinaus, ohne entsprechende Zuschläge.
Zugegeben.. ich war etwas enttäuscht, als ich davon hörte. Mein Gesichtsausdruck gefiel dem Gegenüber ganz und gar nicht.

Nach meinen vertragsrelevanten Fragen (Entlohnung, Betriebsrat, Tarifvertrag) bekam ich folgendes zu hören (sinngemäß wiedergegeben):
Er: "Also wenn sie solche Fragen stellen, haben sie doch wohl garkeinene Lust auf die Stelle! Ich sollte wohl mal mit ihrer Arge reden!"
Ich: "Ich erkundige mich lediglich nach den Konditionen.."
Er: "Es gibt jetzt 2 Möglichkeiten. Entweder, sie unterschreiben augenblicklich den Arbeitsvertrag. Oder ich rufe bei der Arge an und die sanktionieren sie dann! Ich kenne die Leute da, das ist kein Problem."
Ich: "Geben sie mir das schriftlich?"
Er: "Was denn?"
Ich: "Wenn ich mich nicht irre, werde ich gerade genötigt und erpresst. Das hätte ich gern schriftlich."
Er: "Sie sind alleine hier und können das nicht beweisen. Die Arge wird mir mehr glauben als Ihnen."

An dieser Stelle bin ich aufgestanden, habe mich verabschiedet und die Örtlichkeit verlassen.
Leider hat der Arbeitgeber Recht.. die Arge wird ihm mehr glauben als mir. Und einen Beweis habe ich nicht.
Ich habe offen gestanden weder Zeit (Arbeitssuche, bevor mir irgendein noch schlimmerer Vermittlungsvorschlag das Genick bricht) noch die Nerven oder das Geld, um irgendwelche gerichtlichen Schritte zu durchlaufen, zumal das ja auch alles recht kompliziert ist. Ich bin schon seelisch angeknackst und habe große Bedenken, ob ich den Alltag ohne weiteres bewältigen kann.

Aber was soll ich denn jetzt bloß tun?
« Letzte Änderung: August 10, 2010, 15:37:22 von Jhonny Cole »
ShankyTMW
Normale Mitglieder
*
Offline Offline

Beiträge: 46



WWW
« Antworten #1 am: August 10, 2010, 17:33:22 »

Mal allgemein ist gerade das mitlerweile Alltag bei Zeitarbeit, Dienstleistern und sonstigen schlecht bezahlten Jobs Jhonny. Die AGs und Personaler nutzen den Umstand, das gerade Hartz4ler sich nicht so verhalten dürfen, das keine Einstellung zustande kommt (auch das direkte Ablehnen des Jobs) in der Hinsicht als Psychologisches Druckmittel schamlos aus.

Wenn du so eine Klitsche betrittst, die dir so kommen könnte, hilft wirklich nur:
a) Nicht Bange machen lassen und ruhig bleiben. Erhalte dir deine Selbstachtung, denn unter Druck setzen/nötigen lassen mußt du dich genauso wenig wie Unterstellungen und Beleidigungen gefallen lassen.

b) wie bei der ARGE auch nicht ohne Beistand hin. Es gibt zwar kein Gesetzliches Anrecht darauf, aber sobald du jemanden doch als Zeugen dabei hast können sie dir schonmal nicht mit solchen Sprüchen kommen.

c) Gedächtnisprotokoll anfertigen und umgehend in der ARGE einreichen bei sowas (und Kopie für evt. Anhörung und dazu dann die Kiopie des Abgabestempels nebst Auflistung welche Schriftstrücke du zu der Sache schon eingereicht hast).

d) Im Gespräch selbst die Nummer Deines Sachbearbeiters auf den Tisch legen mit der bitte umgehend telefonieren zu dürfen. Dann am Telefon solche Frechheiten in dem Büro des Personalers gleich regeln. (auch hierzu Gedächtnisprotokoll schreiben).

Ist so mein vorgehen bei solchen Hanseln - erst danach kommt ggf. Anwalt/SG wegen evt. Sanktionen mit Wiederspruch und Antrag auf Aufschiebende Wirkung. Dann hast du dann das obere wenigstens dafür zur Hand - und wenn es Aussage gegen Aussage steht verhindert die Aufschiebende Wirkung dann erstmal die Sanktion bis das Restlos oder nie geklärt ist.

Falls jemanden noch was besseres einfällt, immer her damit in dem Thread
« Letzte Änderung: August 10, 2010, 17:34:51 von ShankyTMW »

Liebe Grüße aus Regensburg

Klaus
hergau
Normale Mitglieder
*
Offline Offline

Beiträge: 485


27.09.1996-04.02.2010


« Antworten #2 am: August 10, 2010, 17:35:26 »

Es war richtig, das Du aufgestanden und gegangen bist.

Tipp für das nächste Mal:
"Ich möchte mir den Arbeitsvertrag mitnehmen und von der Gewerkschaft überprüfen lassen."

Das darfst Du tun.
Niemand ist verpflichtet, einen Vertrag sofort zu unterschreiben.
Damit lehnst Du keine Arbeit ab und der Arbeitgeber wird das bestimmt nicht zulassen, das Du den Vertrag mitnimmst.
----------------------------------------------

Und sollte Dich die Arge sanktionieren wollen, hat sie hier schlechte Karten.
Da es bei diesem Gespräch keine Zeugen gab, so steht hier Aussage gegen Aussage.
Also kann die Arge nich gegen oder für Dich entscheiden.
Spätestens vor einem ordentlichen Gericht wird sie damit auf die Nase fallen.

Leben und leben lassen
canigou
Gast
« Antworten #3 am: August 10, 2010, 17:44:30 »

Zumal es ja auch nicht unüblich ist u.a. nach dem Gehalt zu fragen.  zwinker

Zitat
Fragen des Bewerbers im Vorstellungsgespräch
Es wird Ihnen nun die Möglichkeit geboten die eigene Neugier zu stillen. Fragen Sie nach Arbeitsabläufen, Gehalt, Urlaub und anderen berechtigten Sachverhalten. (...)

Quelle
Seiten: [1]   Nach oben
  Drucken  
 
Gehe zu:  

Powered by MySQL Powered by PHP Powered by SMF 1.1.11 | SMF © 2006-2009, Simple Machines LLC Prüfe XHTML 1.0 Prüfe CSS
Seite erstellt in 0.052 Sekunden mit 21 Zugriffen. (Pretty URLs adds 0.007s, 2q)
© Design 2010 - 2020 by Rudi Wühlmaus