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Autor Thema: Es geht doch ...  (Gelesen 7417 mal)
Asmodis
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« am: November 21, 2010, 19:33:43 »

Es geht doch ... wenn man will! Und meine SB wollte. Jetzt bin ich um 100 Euro reicher. Das kam so: Ich bekomme ja kein Hartz-IV mehr, weil meine bessere Hälfte monatlich 6 Cent zuviel verdient. Ihre Arbeitszeit-Aufstockung wurde notwendig, als man mich auf 1,74 Euro monatlich runter sanktioniert hatte (weil ich mich - da geborener Deutscher - weigerte, an einer "Qualifikation zum Erlernen der deutschen Sprache" teilzunehmen). Da sie Beamtin ist, können die Kinder und ich selbst nicht in ihre Familien-Krankenversicherung rein (weil die dann so teuer wird, dass vom Arbeitslohn nichts mehr übrig bleibt). Ergo versichere ich mich und meine Kinder privat. Von null Euro. Überschrift des ganzen Krampfes: Bedarfsgemeinschaft! Nun gab's Anfang November da diese kostenlose Sozialberatung von der Samtgemeinde. Da sind wir zusammen hingefahren.

Es stellte sich raus, dass alles korrekt berechnet worden war und mir wirklich gar nichts zusteht, weil der Gesetzgeber den Status "Ehe zwischen Beamten - also so einer Art von Adel - und Bürgerlichen" nicht vorgesehen hat. Gut - habe ich nach der Rente gefragt. Das wurde ausgerechnet. Stand heute kann ich frühestens im Jahr 2024 in Rente gehen, sofern es dann überhaupt noch welche geben sollte und die Altersgrenze nicht noch weiter rausgeschoben wird. Auf der anderen Seite aber teilte mir der Berater noch mit, dass ich bei der BA vorstellig werden muss, um mich als "arbeitslos ohne Leistungsbezug" zu melden, so dass die eine Jahresmeldung an die BfA schicken, damit ich gegenüber der BfA später keine Lücke in der Berufstätigkeit erklären muss. Das sei ganz einfach, meinte er, nur ein formloses Schreiben mit der Schilderung des Sachverhalts an die Bundesagentur - NICHT an das Jobcenter.

Gesagt, getan. Als Antwort kam der Standardwisch von wegen "Was tun bei Arbeitslosigkeit?" nebst Anträgen, Formularen, Aufforderungen zur Mitarbeit und und und. Das hat mich schon angekot... - sorry - total abgenervt, als ich den ganzen Mist aufgemacht habe und ich dachte nur: "Nochmal tue ich mir das ganz bestimmt nicht an!" Als Antwort füllte ich den Hauptfragebogen mehr schlecht als recht und für jeden Leser ganz unverkennbar widerwillig aus, packte einen aktuellen Lebenslauf und ein geharnischtes Antwortschreiben dazu. Es folgte die Einladung zu einem "Gespräch über meine berufliche Situation". Ich fuhr hin.

Meine Gesprächspartnerin war noch eine "richtige, gelernte Vermittlerin vom alten Schlag" und im Beamtenstatus, kurz vor der Pensionierung. Mit der konnte man reden. Ganz schnell stellte ich fest, dass wir absolut auf der gleichen Wellenlänge lagen. Von den Jobcenter-Bediensteten hielt sie genauso viel wie ich und sagte das auch. O-Ton: "Deren Hauptaufgabe besteht doch nicht in der Vermittlung! Das wissen wir hier alle. Die sind nur dazu da, um die Leute so massiv wie möglich unter Druck zu setzen und um die Statistiken zu fälschen!" Dann ging's um's Fachliche, wobei ein neues "Bewerberprofil" über meine Person erstellt wurde.

Auch wieder O-Ton von ihr: "Was hier vom Fachkräftemangel erzählt wird, ist alles erstunken und erlogen! Wir haben so viele Fachkräfte, dass wir damit die Straßen pflastern können. Ich erlebe das ja bei meiner täglichen Arbeit hier. Das Problem liegt ganz woanders, nämlich bei unserer EDV. Wenn eine Ausbildung länger als sechs Jahre zurück liegt oder jemand seit sechs Jahren nicht mehr in seinem Ausbildungsberuf gearbeitet hat, dann gilt er automatisch als ungelernt und unqualifiziert. Was glauben Sie, wie viele Ingenieure, Techniker und Kaufleute heute Dosen in Regale einräumen müssen?!? Das trifft sogar Akademiker, selbst dann, wenn die sich im Ausland einen guten Namen gemacht haben. Das wird hier nämlich nicht anerkannt. Hier zählt nur die Tätigkeit in Deutschland."

Das war ziemlich ernüchternd und als sie mir mitteilte, dass ich mit meiner Situation absolut kein Einzelfall sei (sondern nur einer von Vielen - von Millionen - die der Statistikaufbesserung dienten), da überraschte mich das nicht mehr im Geringsten. OK, dachte ich, erledigt, vergiss es. Und dann, plötzlich: "Aber es gibt da Sonderregelungen für Härtefälle wie Sie. Normalerweise dürfen wir die nicht anwenden, um Geld zu sparen. Aber mir kann hier keiner mehr was. Ich müsste schon goldene Löffel klauen, um unmittelbar vor der Pensionierung noch Ärger zu kriegen. Und das Anwenden der Sonderregelungen liegt im Ermessen der Sachbearbeiter." Ich nickte, nicht wissend, worauf sie hinaus wollte.

Dann: "Geben Sie mir Ihre Bankverbindung. Ich lasse Ihnen 100 Euro als Vorschuss auf die Bewerbungskosten überweisen." Darauf ich, misstrauisch, wie immer bei dieser Behörde: "Und was erwarten Sie als Gegenleistung?" "Das Sie das Formular über abgeschickte Bewerbungen ausfüllen. Mehr nicht." Daraufhin habe ich zugesagt. Es geht also wirklich, dass die BA einem hilft. Aber offensichtlich wohl nur, wenn man an eine SB für den ersten Arbeitsmarkt gerät, die ihre Position sicher hat.

Hartz ist Pfusch. Und Pfusch kann nicht repariert werden. Mit einem Auto, dessen Motor permanent repariert wird, würde ich nicht fahren. (Norbert Blüm, Ex-Arbeitsminister)
Adimin
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Man wird älter..... wenn man in den Spiegel guckt


« Antworten #1 am: November 21, 2010, 20:56:33 »

Na, ist doch mal ein kleines Erfolgserlebnis.
Ich habe auch hier in Lübeck schon lange festgestellt, das es darauf ankommt, an welche Art SB man kommt.
Für die alten BA-Mitarbeiter sind die Weisungen der BA heilig und wenn da drinn steht, das geht, dann geht das meistens auch.
Vielfach ist hier auch ein ausgeprägtes soziales Gewissen vorhanden.
Leider sind diese Mitarbeiter auf dem austerbenden Ast.

Die Mitarbeiter, die nicht von der BA sind, die scheren sich um die Anweisungen der BA nur, wenn es in ihrem Sinne ist.

Sevi
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« Antworten #2 am: November 23, 2010, 17:37:42 »

supi! Auch Dir Härtzlichen Glühstrumpf, ich freu mich für Dich!

Liebe Grüsse

Sevi 

"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Zitat aus "der kleine Prinz"
Guschma
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« Antworten #3 am: Mai 05, 2012, 08:49:22 »

Hartz-IV-Behörde sieht von Strafe ab
http://zb-s-magazin.cwsurf.de/wordpress/?p=40275
 
Dinibini
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Für Hartzer ticken die Uhren anders


« Antworten #4 am: Mai 07, 2012, 02:29:03 »

Asmodis, du hast mir mit einem Beitrag gerade sehr geholfen.  zwinker Mrgreen

Guschma, es freut mich zwar für dich, dass du nun doch nicht sanktioniert wurdest. Versteh jetzt aber grad nicht, warum du und deine Frau diesen Computerkurs besucht.

Oder versteh ich nu gar nichts?


Alles, was ich schreibe, ist nur meine Meinung
Pauli
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« Antworten #5 am: Dezember 07, 2012, 09:04:18 »

Ich finds super, dass Du da was gegen unternimmst und es auch Früchte trägt. Kleine Erfolge sind auch Schritte in die richtige Richtung und so machst Du auch anderen Mut, nicht einfach alles hinzunehmen.
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