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Autor Thema: Grundeinkommen oder Grundsicherung - was ist das eigentlich?  (Gelesen 20277 mal)
Lotta
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« Antworten #15 am: Dezember 30, 2006, 16:39:46 »

Auch ich finde es klasse und vielversprechend, dass hier niemand bis an die Zähne bewaffnet, seinen derzeitigen Erkenntnisstand zu verteidigen sucht.

Ein kultiviertes Forum  daumen flowers

Grundsätzlich finde ich, dass sich eine so reiche Gesellschaft wie die unsrige, den Luxus "auf Elend verzichten zu Können", leisten können müsste und sollte. Damit meine ich nicht nur materielles Elend, wiewohl genau das in den meisten Fällen die Voraussetzung für andere Formen der Verelendung ist.

Wenn wir auf eine humanere Gesellschaft hinsteuern wollen, dann ist insbesondere die Arbeit in sozialen Bereichen "gesellschaftlich notwendige Arbeit", zum Bild einer entwickelten humanen Gesellschaft passen keine alten Menschen, die festgeschnallt in einem beschissenen Bett liegend im Altersheim vereinsamt auf ihr Ende warten, auch drogenabhängige Straßenkinder passen nicht darein!

Es gibt soviel Sinnvolles zu tun und es gibt soviel Geld in diesem Land. Denken wir gemeinsam darüber nach, wie das Geld sinnvoll verteilt werden kann, das BGE könnte ein Weg dahin sein.

Gruß
Lotta

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Barney
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« Antworten #16 am: Dezember 30, 2006, 17:20:21 »

Danke, Lotta, dein Lob freut uns. Wie anders können Menschen aufeinander zugehen und sich mit Argumenten überzeugen, wenn nicht die Gedanken ausgetauscht werden können. So findet der eine odere andere sicherlich ein Argument, dass er bisher nicht bedacht hat oder die Bestätigung seiner Haltung.

Die Gesellschaftsform, die Edgar beschreibt, ist der Kommunismus. Der soweit ich das aus meiner Schulzeit in Erinnerung habe, so beschrieben wird: Jeder nach seinem Vermögen (im Sinne von Können) und jedem nach seinen Bedürfnissen.

Das ist für mich ein ähnliches Ziel wie das der Christen, nämlich in den Himmel zu kommen, um dort von Nektar und Ambrosia ein fröhliches Leben bis in die Unendlichkeit der Zeit zu führen. Nie erreichbar!

Und weil das so ist, muß aus dem Leben das Beste gemacht werden. Ich bin da ein sehr prakmatisch denkender Mensch. Ich sehe einfach, dass es Besitzende und Nichtbesitzende an Produktionsmitteln gibt und dass der Besitzende am leichtesten bestimmen kann, wo's lang geht. Und er möchte natürlich nicht allzuviel von seinem Besitz abgeben. Sehen wir ja schon bei Kleinkindern, die mit Bauklötzchen spielen.  Einfach mal so abgeben, is' nicht.

Bei den Kindern schlichtet dann schon ein Erwachsener und klärt mal friedlicher mit Argumenten, mal mit Nachdruck, damit alle Kinder spielen können. Später, wenn sie erwachsen sind, geht das nicht mehr so einfach. Aber das Prinzip ist das Gleiche. Diejenigen, die nichts besitzen, müssen dafür sorgen, dass sie genug bekommen.

Solange sich die Nichtbesitzenden aber nicht bewußt sind, dass sie sich nicht gegeneinander aufhetzen lassen dürfen, so lange hat das Kapital die Macht nach dem Motto "wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte". Und genau darin liegt die Schwierigkeit. Und deswegen bin ich der Meinung, wir sollten alle zusammenarbeiten. Und wenn wir dieses Ziel einer Zusammenarbeit erreichen wollen, brauchen wir das gegenseitige Verständnis.
Ich habe über 30 Jahre gearbeitet, aber ich habe niemanden erlebt, der für jemanden, der einfach mal keine Lust hatte, die Arbeit miterledigen wollte. Es mußte dafür schon Gründe geben. Diese müssen definiert sein. Das geht. Und, Edgar, je reicher eine Gesellschaft ist, je höher ihre Produktivität, desto großzügiger können die Gründe sein. So kann auch eine Definition lauten, dass jemand, der seinem Freund hilft, diese Unterstützung erhält.

Die Gewerkschaften sind in Deutschland bisher die Verhandlungspartner der Nichtbesitzenden, die ihre Arbeit verkaufen konnten. Nun ist es an der Zeit, dass sie sich für alle einsetzen, parteien- und glaubensübergreifend.

Ein Herr Sommer ist vielleicht schon zu verbetoniert, um da noch umzudenken. Die nächste Generation wird es begreifen müssen.

Gruß Barney

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Informieren Sie sich bitte selbst zu den hier behandelten Themen. Meine Beiträge spiegeln nur meine persönliche Meinung wider.
Lotta
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« Antworten #17 am: Dezember 30, 2006, 17:46:35 »

Die Gesellschaftsform, die Edgar beschreibt, ist der Kommunismus. Der soweit ich das aus meiner Schulzeit in Erinnerung habe, so beschrieben wird: Jeder nach seinem Vermögen (im Sinne von Können) und jedem nach seinen Bedürfnissen.

Das ist für mich ein ähnliches Ziel wie das der Christen, nämlich in den Himmel zu kommen, um dort von Nektar und Ambrosia ein fröhliches Leben bis in die Unendlichkeit der Zeit zu führen. Nie erreichbar!

Na, wir wollen hier doch nicht das im Diesseitigem mach-und denkbare mit den Verheißungen des Jenseitigen vermischen!

Natürlich werden wir keine Menschen zum Umdenken bewegen können, indem wir mal einfach sagen "Umdenken bitte", aber wir können etwas vorleben und immer wieder auf unlösbare Widersprüche dieses Systems hinweisen. Wir können und müssen auch immer weiter mit Menschen im Gespräch sein, an denen die von Armut geprägte gesellschaftliche Realität vorbeigeht. Nicht jeder von denen ist ein Ignorant, viele sind einfach nur unzureichend und viel zu einseitig informiert.

Gruß
Lotta

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Barney
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« Antworten #18 am: Dezember 30, 2006, 19:45:25 »

@ Lotta, deinem Widerspruch im ersten Satz, kann ich nur insofern folgen, als das eine unerreichbar bleibt, weil es dem Glauben des Menschen entspringt und das zweite einem an der Realität vorbeigehenden Wunschdenken geschuldet ist. Jedenfalls wir, Lotta, und auch unsere Kinder werden den Kommunismus nicht erleben. Und ich glaube auch, ehe Kapitalisten das zulassen, zerlegen sie die Erde.

Was du über das Vorleben und das Hinweisen auf Widersprüche im System sagst, kann ich nur bestätigen. Ja, nur so geht es. Und wie es mit der Möglichkeit der Information aussieht, wissen wir ja. wütend BILD berichtet.  wütend

Gruß Barney

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Lotta
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« Antworten #19 am: Dezember 30, 2006, 19:58:43 »

@ Lotta, deinem Widerspruch im ersten Satz, kann ich nur insofern folgen, als das eine unerreichbar bleibt, weil es dem Glauben des Menschen entspringt und das zweite einem an der Realität vorbeigehenden Wunschdenken geschuldet ist. Jedenfalls wir, Lotta, und auch unsere Kinder werden den Kommunismus nicht erleben. Und ich glaube auch, ehe Kapitalisten das zulassen, zerlegen sie die Erde.

Ich glaube ja auch nicht, dass ein anderes System zu "installieren" ist, es muss "wachsen"! Bereiten wir den Boden vor! (manchmal klinge ich einfach zu pathetisch)  lol

Gruß
Lotta

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laukasius
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« Antworten #20 am: Januar 05, 2007, 11:18:10 »

Ein neues System erfordert genauso wie das alte die Finanzierung.

Ein von Herrn Althaus vogeschlagenes stößt schon an die Grenzen der Machbarkeit, obwohl sämtliche sozialen Einrichtungen entfallen müssten.
Weitaus höhere Vorstellungen, die sich zwar gut anhören, verfallen somit schnell in eine Utopie, die kaum noch tragbar sein wird.

In eine solche Diskussion gehört dann weiterhin die Krankenversicherung, die kaum durch Festbeträge auf dem bisherigen Standard gehalten werden kann.
Genauso wird man über eine Grundrente reden müssen, die sich durch die eigenen Tätigkeiten aufbauen muss.

Ein heikles Thema, das also wesentlich weitreichender ist, als es sich zuerst darstellt.

Zudem muss man erkennen, dass bei Einführung die Verantwortung der Arbeitgeber für einen ausreichenden Lebensunterhalt ihrer Arbeitnehmer zu sorgen, auf den Staat verlagert wird.
Das hat automatisch zur Folge, dass die Löhne weiter sinken werden.

Ein Mindestlohn wird sich nur für die jeweiligen Arbeitsstellen einzeln regeln lassen, wenn man die weitere Verlagerung dieser vermeiden will.

Auf langer Sicht werden wir durch die Automation nicht umhin können, Arbeitszeiten zu verkürzen, um Arbeit zu verteilen, damit wir nicht eine arbeitende und eine ruhende Bevölkerungsschicht erhalten.
Auch hier werden durch die globale Wirtschaft Grenzen aufgezeigt sein, wenn durch eine Überschreitung nicht die eigene Konkurrenzfähigkeit vernichtet werden soll.

Unser System werden wir verändern müssen, auch wenn Hartz sich in den nächsten Jahren noch halten wird.
Eine übereilte und nicht durchdachte Systemänderung, die anschließend gravierende Fehler aufweist, werden wir uns nicht mehr erlauben können.


 
Quirie
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« Antworten #21 am: Januar 05, 2007, 13:41:45 »

.....................

Auf langer Sicht werden wir durch die Automation nicht umhin können, Arbeitszeiten zu verkürzen, um Arbeit zu verteilen, damit wir nicht eine arbeitende und eine ruhende Bevölkerungsschicht erhalten.
.............

Ein wichtiger Gesichtspunkt, der meines Erachtens in der Diskussion oft übersehen wird.

Wir befinden uns in einer zweiten industriellen Revolution. Begann man Mitte des 18. Jahrhunderts körperliche menschliche Arbeit durch Maschinen zu ersetzen, geschieht dieses heute immer mehr und in einem immensen Tempo im Bezug auf geistige Arbeit. Damit verändert sich die Qualität der Arbeit, die zu verteilen ist grundlegend.

Gleichzeitig erleben wir einen zweiten "Manchesterkapitalismus". Die Entwicklung zeigt dieselben unerträglichen Misstände wie vor zweihundert Jahren:

    * Arbeitszeiten von oftmals 12 bis sogar 14 Stunden
    * willkürliche Behandlung
    * Hungerlöhne bzw. Ausbeutung
    * Armut von Alten, Kranken und Schwachen

Fehlen noch (offiziell zumindest)

    * Kinderarbeit
    * Schutzlosigkeit bei Arbeitsunfällen



LG Quirie


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« Antworten #22 am: Januar 08, 2007, 06:54:37 »

Oha!
Nach meiner kurzen Zeit der Abwesenheit hat sich in diesem Thread wieder etwas getan!
Da will ich gleich mal wieder ein paar Äußerungen aufgreifen und meinen Senf dazu geben  box

Ein neues System erfordert genauso wie das alte die Finanzierung.

Ein von Herrn Althaus vogeschlagenes stößt schon an die Grenzen der Machbarkeit, obwohl sämtliche sozialen Einrichtungen entfallen müssten.
Weitaus höhere Vorstellungen, die sich zwar gut anhören, verfallen somit schnell in eine Utopie, die kaum noch tragbar sein wird.

Ja, da liegt der Hase im Pfeffer, bei den Begründungszusammenhängen, die in den Mainstreammedien verbreitet werden:
Eine bessere, sozialere Absicherung der "schwächeren" Glieder unserer Gesellschaft soll nicht mehr kosten als sie gegenwärtig kostet. "Die Kassen sind leer!"
Aber das, was in vielen ver.di-Publikationen én detail nachzulesen ist, muss ich wohl nicht noch einmal vorrechnen, oder?
Der Spitzensteuersatz ist von 53 auf 42 % herunter gesetzt worden, Vermögenssteuer abgeschafft. Wir haben immer noch dieses Unwesen der privaten Krankenkassen, die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Krankenkasse hat nach wie vor Bestand.
Da sind Spielräume!

Also: Soziale Sicherheit für jeden Menschen sollte uns etwas wert sein. Und davon hätte jeder Mensch etwas.

Um es noch pathetischer zu sagen:
Die Mittelschicht, die droht, in die Prekarität zu fallen, ist nach verschiedenen Untersuchungen besonders empfänglich für totalitäre Konzepte und für eine Gegnerschaft zum Sozialstaat.

Prof. Stephan Lessenich von der Uni Jena hat ein Rettungskonzept der Demokratie folgendermaßen auf den Punkt gebracht:
Wir brauchen einen neuen demokratischen Sozialstaat.
Davon hat jeder etwas. Auch diejenigen, die im Moment ihren Besitz ängstlich verteidigen. Sie können ja auch in diesem System der ungehemmten Konkurrenz sehr schnell unter die Räder geraten.

@ Laukasius:
Ich habe zwar geschrieben, dass ich aus der Forderung eines bedingungslosen Grundeinkommens keinen Glaubenskrieg machen werde.
Aber so leicht lasse ich die Gegner eines BGE auch nicht davon kommen, dass sie mal kurz mit dem Wort "Utopie" diejenigen, die anderer Meinung sind, beiseite schieben - noch zwei, drei weitere kurze Andeutungen - und dann ihre Konzepte unterbreiten und exklusiv gegen andere setzen.
Dieser Argumentations- und Sprachstil ist mir etwas zu apodiktisch.

Das Aktionsbündnis Sozialproteste hat die drei Forderungen:
Arbeitszeitverkürzung - Es wird Zeit für den neuen 6-Stunden-Normalarbeitstag
Gesetzlicher Mindestlohn (die im DGB an Stärke gewinnenden Forderungen sind sicherlich der richtige Schritt)
Grundeinkommen/Grundsicherung (innerhalb des ABSP, http://www.die-soziale-bewegung.de, wissen wir noch nicht mit Sicherheit, was wir wollen  zwinker, und auch ich z.B. habe noch keine feste Meinung. An meinen Ausführungen zum Thema, z.B. s.o. in diesem Thread, kannst Du aber sehen, dass ich mir zu den Pro und Contras zur Frage BGE/GS schon einige Gedanken gemacht habe und mich so leicht weder für die eine noch die andere Seite gewinnen lasse. Ebenso wie der Koordinierungskreis des Aktionsbündnis Sozialproteste insgesamt.)

Um auch zu den anderen Punkten, die Du angesprochen hast, etwas zu sagen:
Ich denke, dass sowohl Krankenkassen, Rentensysteme als auch die anderen Sozialsysteme aus einem Mix von Steuerfinanzierung und Beitragsfinanzierung gesichert werden müssen.

Zitat
In eine solche Diskussion gehört dann weiterhin die Krankenversicherung, die kaum durch Festbeträge auf dem bisherigen Standard gehalten werden kann.

Abschaffung der Privatversicherung und pflichtmäßige Mitgliedschaft in den Solidarkassen ist sicherlich ein richtiger Weg. In die Richtung gehen auch die Forderungen einiger Gewerkschaften als Gegenforderung zum Gesundheitsfond.

Zitat
Genauso wird man über eine Grundrente reden müssen, die sich durch die eigenen Tätigkeiten aufbauen muss.

Auch eine menschenwürdige Grundrente muss vielleicht zwischendurch teilweise steuerfinanziert aufgebaut werden, bevor sinnvolle Arbeitszeitverkürzung und vor allem Mindestlöhne den Aufbau "durch die eigenen Tätigkeiten" erlauben.

Zitat
Zudem muss man erkennen, dass bei Einführung die Verantwortung der Arbeitgeber für einen ausreichenden Lebensunterhalt ihrer Arbeitnehmer zu sorgen, auf den Staat verlagert wird.
Das hat automatisch zur Folge, dass die Löhne weiter sinken werden.

Dies ist eine Argumentation, die ich schon oft gehört habe.
Vielleicht möchtest Du sie noch einmal ausführlicher erläutern?

Eine Argumentation für das BGE auf der anderen Seite geht so:
Wenn es das BGE gibt oder eine wirkliche Entwicklung in der Richtung, dann wird der Existenzzwang zu Niedriglohnarbeit abnehmen, weil die Menschen immer mehr eine gesicherte Existenzgrundlage ohne Erwerbsarbeit haben können.

Wenn sie dann noch arbeiten sollen, wenn sie dann also noch als Arbeitskräfte geworben werden sollen, ohne existenziell gezwungen zu sein, z.B. weil sie sich dann eine gute Urlaubsreise oder mehrere im Jahr leisten könnten oder anderen Luxus, dann werden sie das nur machen, wenn es sich wirklich lohnt.
Warum sollten sie also Niedriglohnarbeit akzeptieren?

Zitat
Ein Mindestlohn wird sich nur für die jeweiligen Arbeitsstellen einzeln regeln lassen, wenn man die weitere Verlagerung dieser vermeiden will.

Willst Du also noch weniger als die berechtigten Forderungen der Gewerkschaften zur stufenweisen Einführung eines Mindestlohnes?
Es gibt doch schon Branchen, die aus dem Ausland wieder nach Deutschland verlagern, weil die Löhne hier so schön niedrig sind und dabei hier in Deutschland so fleißig gearbeitet wird!
Aber die Verarmung werden nur menschenwürdige Löhne aufhalten können.


Zitat
Auf langer Sicht werden wir durch die Automation nicht umhin können, Arbeitszeiten zu verkürzen, um Arbeit zu verteilen, damit wir nicht eine arbeitende und eine ruhende Bevölkerungsschicht erhalten.
Auch hier werden durch die globale Wirtschaft Grenzen aufgezeigt sein, wenn durch eine Überschreitung nicht die eigene Konkurrenzfähigkeit vernichtet werden soll.

Unsere Existenzfähigkeit vernichten?
Gegenwärtig treibt die hochproduktive bundesdeutsche Erwerbsbevölkerung und die bundesdeutsche Volkswirtschaft andere Volkswirtschaften vor sich her. Wenn hier sich mal etwas entspannen würde, dann könnte es sich auch in anderen Landstrichen entspannen.

Ich will es mal etwas emphatischer sagen:
Schluss mit Lohnzurückhaltung!
Schluss mit Arbeitszeitverlängerung!
Die Kolleginnen und Kollegen gehen nun Schritt für Schritt wieder in die Auseinandersetzung. Mehrwertsteuererhöhung und Unternehmenssteuersenkung (immerhin 10 Millrd. Geschenke für die Unternehmen), Rente mit 67 und Gesundheitsreform haben das Fass zum Überlaufen gebracht.
Genug Sozialpartnerschaft!
Schluss mit dem Standortdenken!

Zitat
Unser System werden wir verändern müssen, auch wenn Hartz sich in den nächsten Jahren noch halten wird.
Eine übereilte und nicht durchdachte Systemänderung, die anschließend gravierende Fehler aufweist, werden wir uns nicht mehr erlauben können.

 refuse

So, ich habe nun eine Auseinandersetzung eingeleitet. Vielleicht habe ich ja ein paar Denkfehler gemacht. Aber erst einmal habe ich meine Meinung zu Laukasius Ausführungen geschrieben. Ich möchte gerne dazu lernen und vielleicht auch umdenken.

Aber ich glaube, dass es nun für eine gute Diskussion nicht weniger als fair wäre, wenn Du, Laukasius, vor einer Erwiderung nun meine anderen Postings in diesem Thread nachlesen würdest, bevor Du Deine Erwiderung bringst.
 
Quirie
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« Antworten #23 am: Januar 10, 2007, 21:56:25 »

Wir diskutieren dieses Thema derzeit wie eine sehr ferne Utopie.

Dabei gibt und gab es in verschiedenen Ländern bereits Erfahrungen in Richtung bedingungsloses Grundeinkommen, auf die wir durchaus mal einen Blick werfen sollten. So wurde 2005 in Brasilien das bedingungslose Grundeinkommen gesetzlich eingeführt. Kenner der Szene dort sind allerdings nicht nur begeistert.  Im Dezember letzten Jahres erschien ein Artikel in der TAZ, der sich mit den Erfahrungen in verschiedenen Ländern auseinandersetzt.

Zitat
Ein großes Experiment

VON HANNES KOCH


Die Leute auf dem Zeitungsfoto, das Peter Schneider zeigt, tragen Lederjacken und "Hasskappen". So nannte man in den 1980er-Jahren Motorradmützen mit einem Schlitz für die Augen. Linke Demonstranten zogen sie übers Gesicht, um von der Polizei nicht identifiziert zu werden. "Das da in der Mitte bin ich", erklärt der 42-jährige Sozialarbeiter.
Es wurde viel demonstriert in jenen Jahren. Das kostete Zeit: Vorbereitungstreffen, Plakate pinseln, Flugblätter formulieren. Gesellschaftliche Veränderung war der Sinn des Lebens. Schneiders Studium zog sich in die Länge. Nach dem Diplom folgten der Zivildienst, schließlich Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe. Schneider, damals Bewohner einer Wohngemeinschaft, sagt: "Mit 800 D-Mark vom Staat kam ich gut zurecht." So hätte es noch Jahre weitergehen können - wenn nicht Schneiders neue Freundin ihm klargemacht hätte, dass sie keine Kinder von einem Sozialhilfeempfänger wolle. Das Realitätsprinzip hielt Einzug auch in Peter Schneiders Leben. "Wäre der Staat weniger spendabel gewesen, hätte ich die Kurve vielleicht schon früher genommen", meint der Sozialarbeiter heute.

Wie faul werden die Menschen, wenn die Gesellschaft sie großzügig finanziert? Oder fangen sie etwas Sinnvolles an mit ihrer Freiheit? Das sind die großen Fragen, die viele Politiker wieder einmal beschäftigen. Über das sogenannte "bedingungslose Grundeinkommen" diskutieren nicht nur die Grünen auf ihrem Bundesparteitag, der ab heute in Köln stattfindet. Sogar Thüringens CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus schlägt vor, dass grundsätzlich jeder erwachsene Bundesbürger 800 Euro vom Staat erhalten soll - bedingungslos, ohne Nachweis, ob man arbeitet oder nicht.

Der Manitoba-Versuch

Paradies statt Hartz IV. Hat es es so etwas schon einmal gegeben - vielleicht im Ausland? Oft hört man: in Holland Ende der 1970er-Jahre. Stimmt aber nicht. Richtig ist zwar, dass es damals in Amsterdam und anderen Städten leicht war, 1.000 Gulden pro Monat Sozialhilfe zu kassieren. Künstlern bezahlte der Staat zusätzlich Farbe und Leinwand. Tausende ergaben sich jahrelang dem Dolce Vita kreativer Selbstbestimmung. Um ein bedingungsloses Grundeinkommen, das der Staat seinen Bürgern ohne Gegenleistung gewährt hätte, handelte es sich aber keineswegs. Die Arbeitsverwaltung gab sich nur lax, liberal und großzügig - ein Verhalten, das im Zeichen wirtschaftsfreundlicher Reformen der 1980er-Jahre alsbald aus der Mode kam.

Grundsätzlichere Überlegungen stellte da schon die kanadische Regierung an. Sie wollte Mitte der 1970er-Jahre wissen, ob man mit einem Grundeinkommen die Armut bezwingen könne und welche ökonomischen Auswirkungen dadurch hervorgerufen würden. Im Rahmen eines sozialen Experiments in der Provinz Manitoba erhielten zwischen 1975 und 1979 bis zu 1.300 Familien ein staatlich garantiertes Minimaleinkommen. Eine vierköpfige Familien, die weniger als 13.000 Dollar im Jahr zur Verfügung hatte, konnte bis zu 5.800 Dollar vom Staat bekommen. Auch Teilnehmer, die keiner Lohnarbeit nachgingen, kamen in den Genuss der Förderung. .............

http://www.taz.de/pt/2006/12/01/a0141.1/text

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« Antworten #24 am: Januar 11, 2007, 18:20:58 »

Ein wichtiger Gesichtspunkt, der meines Erachtens in der Diskussion oft übersehen wird.

Diese Sichtweise möchte ich hier unterstützen. Letztendlich ist es auch eine Frage der Wertehaltung der Macht. Solange die berufliche Position in hohem Maße die Einfluss"Macht" des einzelnen bestimmt und in der Wertehaltung immer noch gilt, dass sich Menschen in hohem Maße über ihren Beruf und ihre Position in der Firmenhierarchie definieren, kann Grundeinkommen auch folgendes bedeuten (und diese Gefahr sollte man m.E. bedenken):

"Tittytainment
"Im September 1995 hatte Michail Gorbatschow im Namen seiner Stiftung 500 führende Politiker, Chefs von Industrie- und Medienkonzernen und Wissenschaftler nach San Francisco eingeladen, ins luxuriöse Fairmont-Hotel:
Die Zukunft verkürzen die Pragmatiker im Fairmont auf ein Zahlenpaar und einen Begriff: „20 zu 80" und ,,tittytainment". 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung würden im kommenden Jahrhundert ausreichen, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten. „Mehr Arbeitskraft wird nicht gebraucht" meint Magnat Washington SyCip. Ein Fünftel aller Arbeitsuchenden werde genügen, um alle Waren zu produzieren und die hochwertigen Dienstleistungen zu erbringen, die sich die Weltgesellschaft leisten könne. Diese 20 Prozent werden damit aktiv am Leben, Verdienen und Konsumieren teilnehmen - egal, in welchem Land. Das eine oder andere Prozent, so räumen die Diskutanten ein, mag noch hinzukommen, etwa durch wohlhabende Erben. Doch sonst? 80 Prozent der Arbeitswilligen ohne Job?
„Sicher“, sagt der US-Autor Jeremy Rifkin, Verfasser des Buches „Das Ende der Arbeit", die unteren 80 Prozent werden gewaltige Probleme bekommen." Sun-Manager Cage legt noch einmal nach und beruft sich auf seinen Firmenchef Scott McNealy: Die Frage sei künftig "to have lunch or be lunch" zu essen haben oder gefressen werden...Im Fairmont wird eine neue Gesellschaftsordnung skizziert: Reiche Länder ohne nennenswerten Mittelstand - und niemand widerspricht. Vielmehr macht der Ausdruck ,,tittytainment" Karriere, den der alte Haudegen Zbigniew Brzezinski ins Spiel bringt. Der gebürtige Pole war vier Jahre lang Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, seither beschäftigt er sich mit geostrategischen Fragen. „Tittytainment“, so Brzezinski, sei eine Kombination von "entertainment" und "tits", dem amerikanischen Slangwort für Busen. Brzezinski denkt dabei weniger an Sex als an die Milch, die aus der Brust einer stillenden Mutter strömt. Mit einer Mischung aus betäubender Unterhaltung und ausreichender Ernährung könne die frustrierte Bevölkerung der Welt schon bei Laune gehalten werden..."
(aus: Die Globalisierungsfalle von Hans-Peter Martin und Harald Schumann)"

Zumindest kommt das Grundeinkommen obern beschriebenem Tittytainment sehr entgegen. Dagegen die andere Seite, die ich ebenfalls für durchaus richtig halte:

"Eigentlich sollten wir ja alle froh sein, dass die Arbeitsgesellschaft, wie wir sie kennen, zu Ende geht - aber die Arbeitsgesellschaft kann sich mit ihrem Ende nicht abfinden
Wenn man sich das ganze Gewese um die Demissionierung Florian Gersters, die Reden des Superministers Wolfgang Clement und des Bundeskanzlers, sowie das übrige politische Gequatsche bis hinunter zum Dorfbürgermeister anhört, könnte man auf die Idee kommen, dass es nichts Wichtigeres gibt als Arbeit...Allerorten werden neue Arbeitsplätze angedroht, wenn das politisch opportun ist (zum Beispiel vor Wahlen). Die "Drückeberger", "Faulenzer" und [extern] "Arbeitsscheuen" will man auf Vordermann bringen. Auch Konzepte, die man eigentlich nur noch faschistisch nennen kann - wie die Zwangsverpflichtung von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern zu rein symbolischen Löhnen - werden offen diskutiert und zum Teil schon praktiziert. Arbeit, Arbeit über alles.
Aber warum eigentlich? Es kann kein wirklicher Zweifel daran bestehen, dass zur Selbsterhaltung der Gesellschaft eigentlich immer weniger Arbeitskraft verausgabt werden muss, und die pausenlose Mobilmachung an der Arbeitsfront wirkt in diesem Zusammenhang eigentlich nur noch bizarr. Der Widerspruch klärt sich, wenn man sich klarmacht, dass hier eine andere Rationalität als die der Selbsterhaltung herrscht. Weil die Verausgabung menschlicher Arbeitskraft immer noch das Einzige ist, was tatsächlich Wert erzeugt, ist sie so wertvoll wie eh und je. Diejenigen, die über ihre Inwertsetzung (sprich Ausbeutung) zu verfügen haben, werden den Teufel tun, nur deshalb darauf zu verzichten, weil beim Stand der Technik viel mehr davon verfügbar ist, als gebraucht würde, um uns alle zu versorgen..."
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/16/16721/1.html

Grundeinkommen ändert diese "Arbeitsmoral", nach der Arbeit quasi der Sinn des Lebens ist und wer keine hat, ein "unnützes" Darsein fristet, nichts. Bleibt diese gesellschaftliche Wertehaltung so bestehen, kann das Grundeinkommen auch ein Schritt Richtung Tittytainment werden. An Wertehaltungen jedoch lässt sich so schnell nichts ändern und wem würde es auch zustehen, anderen die eigene Wertehaltung aufzuzwingen? Deshalb sehe ich das Grundeinkommen zwar als eine Lösung, aber nicht als die Lösung des tiefergreifenden Problems, das mit der Wertehaltung und der Machtposition durch Arbeit in der Arbeitsgesellschaft zusammenhängt. Das kann dann leicht nach hinten los gehen, also als "gut gemeint", aber im Ergebnis zur Verschlechterung der Lage der Ausgegrenzter führen. Heute bekommt man bei vielen Banken kein Girokonto als Hartz 4ler, eine Wohnung nur übers Wohnungsamt, etc. Es ist eben nicht nur das fehlende Geld, sondern auch die Stigmatisierung, die ausgrenzt und wenn ich irgendwo einen Arbeitsvertrag und mein Arbeitseinkommen nachweisen muss, um z.B. eine Wohnung zu bekommen, nützt es mir auch nichts, ob ich ALG 2 bekomme, oder von Grundeinkommen lebe. In beiden Fällen bleibe ich außen vor und bekomme ohne Arbeitsnachweis die Wohnung nicht.

Zitat
Der Manitoba-Versuch

Danke, für den sehr aufschlussreichen Link.  flowers Ich zitiere mal das Ergebnis des Experiments:

"...Das Experiment erbrachte ein interessantes Ergebnis. Trotz Grundeinkommen legte sich kaum jemand auf die faule Haut. "Die Männer reduzierten ihre jährliche Arbeitszeit um ein Prozent, ihre Frauen um drei Prozent", sagt Derek Hum, Ökonomieprofessor der Universität Winnipeg, der das Manitoba-Experiment in der 1970er-Jahren wissenschaftliche begleitete. Unverheiratete Frauen arbeiteten fünf Prozent weniger. Hum: "Die Resultate waren ermutigend für die diejenigen, die das garantierte Mindesteinkommen befürworteten." Aus zwei Gründen: Die verbreitete Kritik am Grundeinkommen, es würde große Bevölkerungsgruppen zum Ausstieg aus dem Arbeitsmarkt animieren, das Wachstum reduzieren und die Alimentierung für den Staat unerschwinglich teuer machen, traf offenbar nicht zu. Außerdem profitierten arme Beschäftigte dank des staatlichen Zuschusses von einem deutlich höheren Lebensstandard. Trotzdem blieb das Experiment von Manitoba ohne Folgen: Die kanadische Regierung legte das Grundeinkommen zu den Akten, als das Land Ende der 1970er-Jahre von einer Wirtschaftskrise heimgesucht wurde..."

In dieser Richtung sehe ich das Problem auch nicht, aber wenn schon CDU-Politiker und FDP-Politiker das Grundeinkommen teilweise befürworten, bin ich misstrauisch genug, um mich zu fragen, was die sich dabei wohl denken und da fand ich irgendwann den Tittytainment-Artikel und da hatte ich vielleicht eine Antwort.

Viele Grüße
Monika
laukasius
Gast
« Antworten #25 am: Januar 12, 2007, 23:23:53 »

Hallo Edgar,

grundsätzlich muss ich sagen, dass ich nicht gegen ein BGE bin, egal, wie man eine Systemumstellung später vielleicht auch nennen mag.
Es liegen zwar einige durchaus verfolgbare Konzepte vor, die trotzdem für mich noch etliche Fragen aufwerfen und eine gewisse Unsicherheit nicht verbergen lassen.


Reden wir aber zuerst mal über die Einführung der Festlöhne.
Man wird nicht um eine Differenzierung herumkommen, wenn man nicht wieder akut Arbeitsplätze gefährden will.
Um das auszugleichen, werden wieder weitere Subventionen verbaut werden, die auch wieder finanziert werden dürften.

Einen Niedriglohnsektor haben wir inzwischen längst erreicht, der ebenfalls durch Hartz ausgeglichen wird. Eine weitere Bezuschussung erbringt in erster Linie dem Arbeitgeber weitere Vorteile.

Wir haben die Steuersätze der Gutverdienenden erheblich abgesenkt und etliche Betriebe entlastet, erhebliche Löcher gerissen, die nun teuer mit einer MwSt-Erhöhung bezahlt werden müssen, die wiederum die Schwächsten enorm belastet.

Eine gezielte Umverteilung, wie wir immer wieder feststellen. Seit Jahren wird der Abbau der Subventionen gefordert, der auch stattfindet.
Allerdings bei dem kleinen Mann und nicht bei den immer noch starken Lobbyisten.

Eine gerechtere Verteilung der vorhandenen Arbeit kann nur durch eine niedrigere Arbeitszeit gewährleistet werden.
Das wird zukünftig nur mit einem entsprechenden Lohnverlust zu bewerkstelligen sein.
Ebenfalls zu Zeiten sinkender Löhne wird auch das für viele Arbeitnehmer ein dramatisch sinkender Lebensstandard sein und etlicher Unmut wird aufkommen.
Auch das wird man erst durchsetzen müssen.
Der zuvor stattgefundene Abbau der Arbeitszeit war bekanntlich nach einigen Anfangserfolgen kläglich gescheitert.



Nun wird lfd. die Forderung der stärkeren Finanzierung des Systems durch steuerliche Mittel laut.
Dann müssen wir uns aber auch vor Augen halten, dass immer eine Entscheidung nach der Kassenlage des Staates stattfindet.
Ein gutes Beispiel wäre die Forderung der Union nach der sogenannten Kopfpauschale.
Niedrige Einkommen sollen einen Zuschuss durch steuerl. Mittel erhalten. Für das erste Jahr wurde ein bestimmter Betrag errechnet. Was folgt dann?
Ein Zuschuss nach Kassenlage des Staates, der nach jeweiligen Einnahmen durchaus gravierend abgesenkt werden kann.
Folgernd kommt der einfache Arbeitnehmer in eine vom Staat total abhängige Lage und kann kann seinen zukünftigen Lebensstandard in keiner Weise mehr kalkulieren.

Ich führe dieses Beispiel nur auf, damit ersehbar wird, dass diese lieblich klingenden Forderungen ebenso zu Nachteilen führen können.


Bisher war die Höhe des betrieblichen Einkommens für unseren Lebensstandard entscheidend.
Der Arbeitgeber hat ein bestimmtes Interesse, diesen möglichst hoch zu halten, da er seine Produkte verkaufen will.
Damit wird der notwendige Kreislauf in Gang gehalten und die Gewinne können dementsprechend steigen.
Diese sind also von der Kaufkraft der Bürger abhängig, die wiederum von der Aushandlung der Löhne zwischen den Tarifparteien entscheidend beeinflusst werden.

Durch ein BGE wird aber diese Kaufkraft entscheidend auf den Staat verlagert. Der Unternehmer steht nicht mehr in direkter Abhängigkeit, dieses Niveau zu gestalten.
Er kann also seine ausgezahlten Löhne problemlos herabfahren, um die gleichen Gewinne immer noch zu erzielen.

Jetzt kommt es natürlich auch darauf an, inwieweit er aus den sozialen Leistungen entlassen wird.
Auch da geht der Trend hin zu der gesteigerten Eigenverantwortung der Arbeitnehmer.

Gewinne könnten steigen und Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn investiert und nicht nur in die eigene Tasche gesteckt wird.

Allerdings wird auch hier der globale Markt entscheidend sein.
Auch eine Konkurrenz durch eine erweiterte EU darf man nicht aus den Augen lassen, die ca. 30 Jahre brauchen wird, um das hiesige Niveau zu erreichen. Auch hier werden noch billige Arbeitskräfte unseren Markt begleiten, wenn die Einschränkungen aufgehoben werden müssen.
Zugleich strömen andere Länder auf den Markt, mit denen wir nach Einführung eines BGEs nicht preislich wirklich konkurrieren können.

Ein BGE wird unser Selbstwertgefühl anheben.
Aber, eine Abhängigkeit werden wir nicht abschütteln können. Unser Gefühl wird weiterhin von der Kassenlage des Staates abhängig sein.
Ob wir in die Lage versetzt werden, zukünftig aufgrund eines gesicherten Einkommens auf anderer Basis mit einem Arbeitgeber verhandeln zu können, bleibt abzuwarten.
Eine Vollbeschäftigung wird es nicht mehr geben und welcher Teil der Bevölkerung soll zukünftig arbeiten?
Da wird wohl noch viel Unmut zu erwarten sein.
Das Wertegeühl, dass wir durch die Arbeit erschaffen haben, wie es auch in einem anderem Thread beschrieben wurde, ist keinesfalls zu verachten.

Zudem ist unser System so verfahren und ineinander verwurschtelt, dass eine schnelle Wandlung kaum zu erwarten ist.
Wir sind einfach zu träge.


Ein Thema wie das BGE ist so komplex und beinhaltet letztendlich so viele Änderungen, die absolut kein Vorteil sein müssen, wie z. Bsp. der gesamte Wegfall der bisherigen sozialen Unterstützung, die auch auf Einzelschicksale oft genug einging, dass darüber noch endlose Diskussionen geführt werden dürften.
Als Beispiel, braucht man nur eine weiterführende Schulung anzuführen, die eigenständig von einem BGE aufzubringen ist.
Dann ist keine weitere Hilfe mehr zu erwarten.

Mich verwundert z.Zt. allerdings die Leichtigkeit, mit der manche Politiker die Umwandlung eines System herbeiführen wollen.
Ein Klacks.
Ein klacks für den, der in seinem Rücken mit einem abgesicherten Verhältnis aufwarten kann.
 
 

 

 
 





 
laukasius
Gast
« Antworten #26 am: Januar 13, 2007, 08:57:09 »

Wir haben auch schon die Diskussion der reinen Dienstleistungsgesellschaft erlebt.

Was ist davon übrig geblieben?

Man hat erkannt, dass eine solche zwar ausgebaut werden kann, aber nur in einem bestimmten Verhältnis zur Produktivität, die Gelder ins Land bringt.
Ansonsten hätte alles eingefroren werden müssen, was im Alleingang unter den globalen Verhältnissen unmöglich ist.

Wir müssen doch erkennen, dass unsere sozialen Systeme am Hungertuch nagen, seit Ewigkeiten durch Wehrdienstverweigerer oder jetzt vermehrt durch 1€-Jobber aufgefangen werden müssen.
Auch hier ist eine weitere Entwicklung total gehemmt, was wesentlich größere Auswirkungen hat. Die Umwandlung unserer Bundeswehr in ein Berufsheer wäre längst abgeschlossen, wenn auf die billigen Arbeitskräfte verzichtet werden könnte.
Das würde jedoch den Kollaps bedeuten.

Eine erhöhte Finanzierung durch Steuern hört sich auch gut an, muss aber erarbeitet werden.
Natürlich kann die Produktion ausgebaut werden, muss aber durch hohe Abgaben ein BGE-System finanzieren können.
Damit sind wir wieder am globalen Wirtschaftsmarkt, dem wir Paroli bieten müssen, um unser neues System aufrecht zu erhalten.
Die dann arbeitende Bevölkerung wird durch die Steuern so hoch belastet werden, dass auch die Rivalität bei den Menschen zunehmen wird.

Wir haben gerade die globalen Auswirkungen erlebt.
Unser neues System wird noch empfindlicher darauf reagieren. Jede steuerliche Finanzierung wird schwanken.

Es ist trügerisch, wenn ein Herr Althaus die Krankenversicherung durch feste Beträge eindämmen will. Die zukünftigen Verteuerungen führen dann zu einer Minderung der Leistungen oder das BGE selbst wird belastet.

Auch hier erleben wir gerade, welche Auswirkungen erzeugt werden, wenn der Staat seinen steuerlichen Beitrag reduziert.
Wir werden zur Kasse gebeten.

Natürlich wird man mit solchen Berichten für einen Gegner des BGEs gehalten.
Man sollte die notwendigen Gedanken einer Systemänderung nur zu Ende führen.

Erkennen, dass wir dabei zukünftig auf uns allein gestellt sein werden. Die weitere Hilfe des Staates wird ausbleiben, weil er sich von seinen sozialen Einrichtungen vollkommen verabschiedet hat.

Die jetzige Hilfe kennen wir. Eine zukünftige können wir nur erahnen.
Klare Vorteile sind für die Arbeitgeber ersichtlich.

Ein Hartz wurde auch als großer Wurf bezeichnet. Was ist davon geblieben?

Ebenfalls wird in anderen Berichten davon geredet, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen auf einen gewissen Reichtum verzichten sollten, die Solidarität erkennen sollen.

Daran glaubt doch wohl niemand ernsthaft.



 


 






« Letzte Änderung: Januar 13, 2007, 09:05:41 von laukasius »
Barney
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« Antworten #27 am: Januar 15, 2007, 18:15:07 »

@ Laukasius, du schreibst, dass die Arbeitszeitverkürzung mit Einkommenverlusten ausgeglichen werden muß. Wieso? Damit der Unternehmer den höheren Mehrweit für sich alleine beanspruchen kann? Die kürzere Arbeitszeit ist doch nur möglich, weil die Arbeitsproduktivität gestiegen ist. Das, was unsere Vorfahren noch in 12-13 Stunden produzierten, stellten unsere Väter und Mütter schon in 8 Stunden her. Inzwischen reichen für das gleiche Ergebnis 5-6 Stunden. Wieso also Lohnverzicht?

Dazu ein Artikel von Hinrich Garms vom Netzwerk Grundeinkommen.

Zitat
Das Konzept der BAG- SHI zum Existenzgeld, eine Form des bedingungslosen
Grundeinkommens


Das Konzept eines Grundeinkommens ohne Arbeitszwang, ohne Bedürftigkeitsprüfung,
individuell ausgezahlt, existenzsichernd und garantiert, ist unumstritten im Netzwerk
Grundeinkommen.
Ein Grundeinkommenskonzept von vielen ist das Existenzgeld der BAG-SHI, das von der
„Bundesarbeitsgemeinschaft der Sozialhilfe-Initiativen“1 im Jahre 1998 beschlossen wurde
und seither auch durch einige Diskussionen innerhalb dieser Organisation gegangen ist.
Der Grundgedanke ist, dass die nachfolgend benannten Bedarfe von einer Behörde –
praktischerweise dem Finanzamt – automatisch ausgezahlt werden.
Existenzgeld – Mehr als die nackte Existenz
Das gesamte Existenzgeld umfasst nach einem veränderten „Warenkorb“-Prinzip: 2
· Ernährung und Dinge des täglichen Bedarfs: 270,00 €
Hierin enthalten sind die Lebensmittel und andere Konsumgüter
· Haushaltsenergie: 40,00 €
· Soziales: 110,00 €.
Hierin enthalten sind Ausgaben für Hobbys, Vereine, Interessenorganisationen, Kultur,
Sport, Freizeit
· Urlaub 65,00 €
Hierin enthalten ist die jährliche Erholung.
· Mobilität 55,00 €
Hierin enthalten sind Ausgaben für Auto, Bahn und Nahverkehr, Fahrrad, .....
· Bekleidung 80,00 €
· Instandhaltung von Wohnraum, Anschaffung und Instandhaltung von Möbeln: 50,00 €
· Krankenbedarf: 20,00 €
Hierin enthalten sind gesundheitliche Bedarfe, die auf absehbare Zeit nicht durch eine
Krankenversicherung abgedeckt sind.
In der Summe sind das 690,00 EUR. Hinzu kommt eine garantierte Krankenversicherung
mit einem Berechnungsbetrag von 110,00 €. Des Weiteren die Erstattung der Wohnkosten
eines jeden Menschen in Höhe von durchschnittlich 260,00 EUR. Dies ist ein statistischer
Durchschnitt und bedeutet, dass die Erstattung von Wohnkosten auch höher sein
kann. Auch Kinder bekommen Existenzgeld. Besondere Bedarfe müssen zusätzlich
abgesichert werden. Diese Zahlen von 2002 müssen ständig der Überprüfung unterzogen
werden, ein solcher Prozess ist innerhalb der BAG-SHI zur Zeit im Fluss.
Das Existenzgeld soll nicht nur die nackte Existenz sichern, sondern auch die Teilhabe
und Teilnahme eines jeden / einer jeden am gesellschaftlichen und kulturellen Leben gewährleisten.
Wir haben uns bei der Erstellung des Konzepts dann der Mühe unterzogen und ein Finanzierungskonzept
als Machbarkeitsstudie erstellt, weil wir den Argumenten entgegen treten
wollten, die
a) ein Existenzgeldkonzept / ein Grundeinkommen auf eine Veränderung am St. Nimmerleinstag
„nach der Revolution“ verschieben wollten (linksradikales Konzept) oder
b) der Argumentation anhängen, „es ist kein Geld vorhanden“ (neoliberale Argumentation).

Quelle

Ganz so einfach, wie es H. Garms in diesem Aufsatz darstellt, dürfte es mit dem Grundeinkommen nicht gehen.  Und so einfach dieses Modell klingt, so glaube ich nicht, dass jemand mal so locker von seinem Lohn 50 % (also 2.000,- € können das schon mal sein) abgibt, um sich dann mit 620,- € BGE zu begnügen. Oder jemand, der ein erkleckliches Sümmchen als Steuererstattung bekommen soll, weil er im Splittingverfahren berechnet wird, verzichtet darauf und zahlt freudig das Jahr über Steuerklasse 1?

Ich meine, wünschen können wir uns viel. Nur es muß umsetzbar sein. Dazu benötigen wir eine solidarische Haltung auch von denen, die einen Arbeitsplatz haben und die wirklich noch davon leben können. Wenn ihr Äquivalent heißt, ihr geht zwar weiter arbeiten, hinterher habt ihr aber so viel weniger in der Lohntüte, dass ihr dann genauso wie wir mit jemdem Pfennigcent rechnen müßt, dürfte es mit der Solidarität vorbei sein.

Jedoch die Forderung 10 Euro Mindestlohn, 500 Euro Grundsicherung und das in einer 30-Stunden-Woche, dürfte durchsetzbar sein, weil alle profitieren.

Gruß Barney

Unsere Forderung:  Mindestlohn, Grundsicherung, Arbeitszeitverkürzung

Informieren Sie sich bitte selbst zu den hier behandelten Themen. Meine Beiträge spiegeln nur meine persönliche Meinung wider.
laukasius
Gast
« Antworten #28 am: Januar 16, 2007, 11:29:56 »

Hallo Barney,

Du gibst aber doch zu, dass auch die Löhne gegenüber früheren Zeiten enorm zugelegt haben.
Die Urlaubszeit wurde erhöht.
Man hat uns, wenn wir die Arbeiterbewegung der letzten 100 Jahre mal anschauen, seit den 50er Jahren mal etwas von dem Wohlstand schmecken lassen. Urlaub wurde möglich und sogar das eigene Auto.
Den Rest der Geschichte kann man vergessen, weil der Wohlstand nur einigen der Menschen zugute kam.
Die anderen standen immer unter einer Knute.

Die Wirtschaft ist dank der Technologien globaler geworden und nehmen immer mehr Einfluss auf uns selbst.
Wir erleben neue Konkurrenten, die gewaltig aufholen und über Menschenmaterial verfügen, mit deren Löhnen wir in den nächsten Jahrzehnten nicht mithalten können.

*Besserwerden*, heißt die Devise und jagt uns in einen Wettlauf, den wir garnicht gewinnen können.
Während wir weiter entwickeln müssen, um diesen Standard halten zu können, wird in diesen Ländern einfach nur übernommen. Sie befinden sich in einem deutlichen Vorteil.

Wir werden damit leben müssen, dass sich die Wirtschaftsmächte gewaltig verschieben.
Eigentlich ein ganz normaler Prozess, der die ganze Menschheit begleitet hat.

Um die Konkurrenzfähigkeit zu erhalten, wurde in den letzten Jahren entlassen, Löhne sind gesunken und die Arbeitszeiten  sind wieder gestiegen.
Die vorherige Arbeitszeitverkürzung ging voll in die Hose, dass wir nun akzeptieren müssen.

Jetzt erleben wir eine Erholung, Leute werden wieder eingestellt, die Gewinne sind gestiegen.
Ist das jetzt der eigene Antrieb, da wir uns immer mehr anpassen, oder ist ist das nicht eher dem globalen Markt zu verdanken, der z. Zt. kräftig rotiert und seinen Anteil auch dem geänderten Deutschland hinterlässt?

Jetzt sehen wir uns mal den großen Aufschwung an!
Kaum feste länger andauernde versicherungspflichtige Jobs. Minijobs, befristete Arbeitsvertäge mit niedrigeren Löhnen und der Boom der Leihfirmen stehen an.
Die Sicherheit der vorherigen Arbeitswelt erreichen wir nicht mehr.

Immer mehr Jobs, die eine Aufstockung durch Hartz erleben müssen.
Jede weitere Bezuschussung der Regierung an die Arbeitgeber sind eine Spielerei, die den Abwärtstrend nur beschleunigen.
Erarbeiten und diese Zuschüsse letztendlich finanzieren darf der Arbeitnehmer selbst, indem immer neue Erhöhungen oder Auflagen kommen werden. Er wird seine eigene Arbeitskraft somit immer mehr selbst bezahlen.

Diese ganzen Zuschüsse müssen irgendwann beendet werden, weil sie eine immer weiter reichende Rotation auslösen, die dann nicht mehr aufzuhalten ist und den Staat mit nicht mehr aufbringbare Belastungen versehen.
An die ganzen Mitnahmeeffekte will ich garnicht erinnern.

Als Bsp. möchte ich einmal die Wirkungsweise einer hiesigen Firma aufführen. 70 Leute wurden entlassen, ca. 100 neue eingestellt. Schön neu ausgestattet mit den Zuzahlungen des Arbeitsamtes.
Das geschieht in Regelmäßigkeit und diese Spielchen werden mitgemacht, weil sie Arbeitslosenzahlen angenehm verfälschen und einen virtuellen Erfolg anzeigen.

Es werden Unmengen Gelder verschleudert, um einen immer wiederkehrenden Kreislauf in Gang zu halten. Letztendlich ist absolut kein Erfolg beschienen.


Irgendwann wird unsere Regierung diesen Irrsinn erkennen und zugeben müssen.
Dann ist der Punkt erreicht, an dem wirklich ernsthaft zu überlegen ist, ob ein sogenanntes Bürgergeld, oder wie es sich auch immer nennen wird, eingeführt werden muss.
Die Arbeitszeiten werden sich dann selbst regeln und ich glaube nicht, dass hier ein großes Eingreifen der Regierung notwendig ist.
Das wird eher wieder auf tariflicher Ebene erreicht werden. Somit werden auch die Gewerkschaften sich umstellen und ganz neue Wege beschreiten müssen.


Solange das jetzige System noch bewältigt werden kann, wird es noch weiter bestehen. Es wird noch viel Geld ohne Wirkung in etlichen Projekten verschleudert werden.
Ein Wechsel wird ggf., wie von mir zuvor beschrieben, nur sehr, sehr langsam vonstatten gehen, weil die gesamte Masse viel zu komplex ist.
Man wird auch Teile des Systems nicht gänzlich plötzlich aufheben können, sondern sie nebeneinander führen müssen.

All das wird finanziert werden müssen.


Das von dir angezeigte Modell, Barney, ist meiner Meinung nach zu hoch gegriffen. Zusätzlich beherbergt es keine Rentenregelung.
Es wird noch zahlreiche Modelle geben. Z.Zt. mangelt es daran, dass grundsätzlich nur ein Bürgergeld mit den Kosten der Agenturen verglichen werden. Bestandsschutze u.s.w. werden garnicht vermerkt. Die Kosten werden dementsprechend wesentlich höher liegen.

Eins ist sicher. Je höher ein Bürgergeld ausfällt, umso mehr werden sich die Steuern erhöhen müssen.
Es wird erhebliche Widerstände bei den Arbeitenden und auch den Arbeitgebern geben, die erst einmal überwunden werden müssen. Ebenfalls ist die Empfindlichkeit des Systems gegenüber der globalen Wirtschaft nicht zu übersehen.

Darüber werden noch Jahre vergehen und momentan wird erst einmal der Kampf um die weitere Verabschiedung der Arbeitgeber aus dem Sozialen Netz die Fortsetzung finden.
Da wird uns noch einiges bevorstehen.




 








 


 





 
Barney
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« Antworten #29 am: Januar 16, 2007, 13:31:09 »

Zitat
Um die Konkurrenzfähigkeit zu erhalten, wurde in den letzten Jahren entlassen, Löhne sind gesunken und die Arbeitszeiten  sind wieder gestiegen.
Die vorherige Arbeitszeitverkürzung ging voll in die Hose, dass wir nun akzeptieren müssen.

Ich geh mal nicht auf alle Punkte ein, die du angesprochen hast, laukasius. Glaubst du wirklich, dass es um die Konkurrenzfähigkeit geht? Geht es nicht vielmehr um Gewinnmaximierung der Unternehmen? Denn die Gewinne weltweit boomen doch schließlich.

Es verschenkt niemand etwas. Das ist schon mal klar. Es wird ein ständiger Kampf darum stattfinden, wer wieviel vom Kuchen bekommt. Kapital ist schnell dort, wo es gebraucht wird, um diesen ungleichen Kampf zu führen.

Schon Marx sagte: "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Und genau das ist die Schwierigkeit. Du erlebst doch schon bei den Erwerbslosen wie schwierig es ist, sich zu einigen, was man denn überhaupt mit welchen Mitteln erreichen möchte. Welch langwierigen, ja Jahre dauernde Diskussionen werden geführt bis der kleinste gemeinsame Nenner gefunden wird. Da lacht sich doch das Kapital ins Fäustchen.

Schau dir die korrupten Wirtschaftsbosse doch an! Sie werden mit Millionengehältern und noch zusätzlichen "Prämien" im Glauben gelassen, etwas Besseres zu sein. Dabei vergessen sie ganz schnell, dass auch sie Lohnabhängige sind und als gefühlte Stellvertreter des Kapitals handeln sie so als gehöre der Laden ihnen und sie müßten ihn gegen die anderen lohnabhängig Beschäftigten verteidigen. Wenn dann noch Leute wie die jetzigen SPD-Führer und die Gewerkschaftsfritzen im DGB hinzukommen, ist der Sozialabbau kaum noch aufzuhalten.

Gruß Barney

Unsere Forderung:  Mindestlohn, Grundsicherung, Arbeitszeitverkürzung

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