Storch HeinarStorch Heinar
Aktive Erwerbslose in Deutschland (AEiD)

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Übersicht Aktuelles Hartz IV Infobank Daily News Impressum Mitglieder Registrieren
News:


Seiten: [1]   Nach unten
  Drucken  
Autor Thema: Wie Hartz-IV-Empfänger so ticken  (Gelesen 661 mal)
Rudi Wühlmaus
Maschinist
***
Offline Offline

Beiträge: 5.431


Wissen ist Macht


WWW
« am: August 18, 2010, 13:50:02 »

Studien
Wie Hartz-IV-Empfänger so ticken

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Hartz-IV, das steht für Menschen, die den ganzen Tag nichts tun und an der Flasche und am Fernseher hängen. Doch keine Bevölkerungsgruppe ist so unterschiedlich wie die der so genannten Hartzer. Nicht einmal der Fakt, dass alle arbeitslos sind, stimmt.

Arno Dübel heißt er. Er ist seit fast 30 Jahren arbeitslos und hat offenbar viel Spaß dabei. Großschnäuzig tingelte der 53-Jährige durch Deutschlands Talkshows und sprach überzeugt in die Kameras: «Ich will nicht arbeiten.» Warum auch?

Sieht so etwa der typische Hartz-IV-Empfänger aus? Lange Haare, Tränensäcke, mieses Lächeln? Oder gehört Dübel noch zu den besseren der etwa 6,7 Millionen Harzern, wie sie umgangssprachlich oft genannt werden? Das glaubt man, wenn Filmemacherin Rita Knobel-Ulrich beginnt, über Hartz-IV-Empfänger nachzudenken. Dann spricht sie von Rabeneltern, die natürlich niemals arbeiten würden und das Geld ihrer Kinder besser in Playstation und Alkohol investieren.

Dieses Klischee des faulen Drückebergers, der sich auf Kosten des fleißigen deutschen Arbeiters den ganzen Tag die Sonne auf den Bauch scheinen lässt, prägt unseres Bild es Hartz-IV-Empfängers. Doch eins vornweg: Den Hartz-IV-Empfänger gibt es gar nicht. Wenn sich eine Personengruppe der Bevölkerung stark unterscheidet, dann ist es diese - und sie ist groß.

Wer sind die Hartz-IV-Empfänger überhaupt?

Knapp sieben Millionen Menschen in Deutschland bekommen Hartz-IV. 1,8 Millionen davon sind erst gar nicht erwerbstätig. Nicht etwa weil sie faul sind oder Tagesverschläfer, sondern weil es Kinder sind. Bleiben also noch knapp fünf Millionen. Per Definition sind sie in der Lage, mindestens drei Stunden pro Tag zu arbeiten.

1,3 Millionen tun das übrigens auch. Sie arbeiten in der Wirtschaft für so wenig Geld, dass ihnen der Staat etwas zum Überleben dazugeben muss. Die Deutsche Wirtschaft macht's möglich. Bleiben also noch 3,6 Millionen, wovon sich wiederum mehr als eine Million fortbilden lässt oder das 100. Bewerbungstraining durchmacht.

Bleiben summa summarum 2,1 Millionen in der Vermittlung übrig - für sie wird nach einem neuen Job gesucht. 2,1 Millionen, darunter viele Ältere über 50 Jahren, Ausländer und Ungelernte - laut liberalen Verbalattacken alles Menschen, die angeblich nicht arbeiten wollen.

Aber für solche Beschuldigungen ist die Zahl der Sanktionen, die wegen Arbeitsverweigerung verhängt werden, einfach zu niedrig. Von Januar bis September 2009 sollen es laut Bundesagentur für Arbeit 87.000 Fälle gewesen sein. Mal abgesehen von Mehrfachbestrafungen liegt der Wert angewendet auf alle Bedürftigen bei einem Prozent, angewendet auf alle Hartz-IV-Empfänger in Vermittlung bei vier Prozent.

Trotz dieser Zahlen glaubt auch die Bevölkerung daran, dass Langzeitarbeitslose nicht arbeiten wollen. In einer Umfrage des Instituts für Meinungsforschung in Allensbach glauben 57 Prozent der Deutschen, dass viele Erwerbslose nicht arbeiten wollen. 33 Prozent meinten, dass dies nur «Einzelfälle» sind.

Wie Hartz-IV-Empfänger so drauf sind

Aber wie ticken sie genau? Wollen sie wirklich nicht arbeiten? Wissenschaftliche Studien dazu gibt es wie Sand am Meer.

Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) sind Hartz-IV-Empfänger überhaupt nicht faul. Sie würden sogar ungünstige Arbeitszeiten, lange Arbeitswege und Beschäftigungen unter ihrem Qualifikationsniveau annehmen.

Nur eins wollen sie nicht: Umziehen. Offenbar ist Hartz-IV-Empfängern das soziale Umfeld wichtiger als eine Chance in einer neuen Stadt.

Übrigens: Es gibt den Hartz-IV-Ossi und den Hartz-IV-Wessi – und der Wessi ist wohl fauler, zumindest sagen das die Forscher. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in einer Studie aus dem Jahr 2008 festgestellt, dass es in Ostdeutschland einen großen Teil an Arbeitslosen gibt, die eine Beschäftigung annehmen würden und sich selbst um die Stellensuche kümmern. In Westdeutschland finden sich laut DIW dagegen relativ viele Arbeitslose, die eine ihnen angebotene Stelle ausschlagen würden.

Und was hilft, um den Hartz-IV-Empfänger wieder in den Job zu bringen? Natürlich Leistungen kürzen. Zumindest sieht das das Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) so und legt natürlich auch eine passende Studie vor. Demnach steigt mit der Verhängung einer Sanktion die Bereitschaft der Leistungsempfänger, einer Beschäftigung nachzugehen. So hätten Erwerbslose mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent innerhalb acht Monaten wieder eine reguläre Arbeit gehabt, soweit sie von Jobcentern mit strenger Sanktionspraxis betreut wurden.

Voraussetzung dafür ist natürlich erstmal, dass es Jobs gibt. Doch das einzige, was Hartz-IV-Empfängern meist angeboten wird, sind Aufstocker- und Zeitarbeitsjobs. Nur sieben Prozent schaffen darüber den Weg in eine feste Stelle. Das IAB, von dem die Zahlen stammen, interpretiert das Ergebnis als gut. So sei die Leiharbeit immer noch eine bessere Alternative zur Arbeitslosigkeit. «Leiharbeit ist zwar keine breite Brücke, aber zumindest ein schmaler Steg in Beschäftigung», sagte IAB-Direktor Joachim Möller.

Nun kann man sich durchaus darüber streiten, ob sieben Prozent wirklich als Erfolg gewertet werden kann. Die Verdienste dieser Brückenjobs sind zumindest äußerst dürftig. Das bestätigt sogar die OECDOrganisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in einer Studie, in der sie die Situation von Arbeitslosen in verschiedenen europäischen Ländern verglichen hat.

In dieser Situation hat die OECD auch festgestellt, dass der einzelne Hartz-IV-Empfänger ohne Arbeit weniger bekommt in anderen Ländern.

Übrigens. Den Hartz-IV-Satz von 359 Euro in Deutschland halten einige Wissenschaftler immer noch für viel zu hoch. Zwei Chemnitzer Soziologen schlagen vor, den Betroffenen nicht mehr als 132 Euro auszuzahlen. Das machen das daran fest, was ein Warenkorb für den täglichen Bedarf kostet - und zwar in Chemnitz. Man sollte dazu sagen, dass die Experten Finanzwissenschaftler sind, ein Soziolge hätte wahrscheinlich andere Maßstäbe angesetzt.

Und genau das muss man immer im Blick haben, wenn man derartige Studien liest: Wer hat die Untersuchung durchgeführt, und wer hat sie in Auftrag gegeben.
hav/news.de

Quelle

 if (isset($_BRAIN['müde'])){ sleep(); } else { work(); } 
Nach über 10 Jahren Computertechnik müßten die Tastaturhersteller eigentlich gelernt haben, daß Tastaturen unten Abflußlöcher für den Kaffee brauchen.
Windoof nur beim Kunden; Ansonsten LINUX
Seiten: [1]   Nach oben
  Drucken  
 
Gehe zu:  

Powered by MySQL Powered by PHP Powered by SMF 1.1.11 | SMF © 2006-2009, Simple Machines LLC Prüfe XHTML 1.0 Prüfe CSS
Seite erstellt in 0.064 Sekunden mit 22 Zugriffen. (Pretty URLs adds 0.005s, 2q)
© Design 2010 - 2020 by Rudi Wühlmaus