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Autor Thema: Druck, Schikane und Angst - ein Leiharbeiter packt aus  (Gelesen 834 mal)
Tom_
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« am: Februar 25, 2011, 11:06:22 »

Zitat
Georg Kaltenberg (52) wehrt sich gegen unzumutbare Arbeitsverhältnisse bei Unternehmen, die Leiharbeiter beschäftigen. Er schreibt ein Buch und ruft Betroffene dazu auf, sich bei ihm zu melden. Infos: www.georg-kaltenberg.de

Dortmund. Der Siegerländer Georg Kaltenberg hat zwei Jahre als Leiharbeiter geschuftet. Er berichtet von schockierenden Arbeitsbedingungen. Leiharbeiter würden wie Leibeigene behandelt. Der DGB hat heute zum "Aktionstag gegen Leiharbeit" aufgerufen.

Georg Kaltenberg hat keine Angst davor, seinen Namen zu nennen. „Zwei Jahre habe ich die Faust in der Tasche geballt. Nun reicht es“, sagt der Siegerländer. „Die sollen ruhig wissen, wer jetzt erzählt.“ „Die“ - das sind jene, die Leiharbeitern das Gefühl gäben, „Menschen zweiter Klasse zu sein“, die ständig Druck auf sie ausübten, sie schikanierten, ihre Rechte missachteten und so wenig Lohn zahlten, dass Betroffene gezwungen seien, trotz Arbeit noch durch Hartz-IV-Leistungen aufzustocken.

„Viele machen das mit, weil sie einfach Angst haben“, sagt Kaltenberg. Doch der 52-Jährige will nicht länger schweigen: Zum bundesweiten Aktionstag der IG Metall wird er sich am Donnerstag mit anderen Gewerkschaften vor das Tor der Firma stellen, wo er zwei Jahre beschäftigt war. Als Leiharbeiter. Oder „Leibeigener“, wie er selbst meint.

Belegschaft zweiter Klasse
Laut Bundesanstalt für Arbeit waren im Juni 2010 806 100 Frauen und Männer bei Leiharbeitsfirmen beschäftigt.
Das sind knapp drei Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.Für 2011
wird damit gerechnet, dass die Zahl die Millionengrenze erreicht.

67 Prozent der Arbeitnehmer kommen aus Arbeitslosigkeit oder waren vorher noch gar nicht beschäftigt.
72 Prozent der Beschäftigten in Leiharbeit sind männlich. Es gibt rund 16 100 Zeitarbeitsfirmen.

„Das Problem ist, dass es nicht nur um die Bezahlung der Beschäftigten geht, sondern dass über Leiharbeit die Betriebe quasi eine Zweitbelegschaft aufbauen“, sagt IG-Metall-Experte Christian Iwanoski. „Damit wird langfristig das Entlohnungssystem auch der Stammbelegschaft gefährdet.“

Anfang 2008 hatte der Gas- und Wasserinstallateur und Technische Zeichner, nachdem er mit seinem Betrieb „baden gegangen“ sei, einen Vertrag bei einer Kölner Zeitarbeitsfirma unterschrieben - weil er schnell wieder arbeiten wollte und ihn andere Firmen, bei denen er sich beworben hatte, „zu alt“ war. Der vertraglich vereinbarte Stundenlohn: 6,77 Euro plus „Produktivzulage“ von 23 Cent pro Stunde. Ab da war er in dem Autozulieferer-Betrieb Biebighäuser in Leverkusen eingesetzt. Aber es war nicht nur die Tatsache, dass Leiharbeiter etwa 1060 Euro Brutto verdienten und die Festangestellten für dieselbe Arbeit mit 1950 Euro fast das Doppelte, die ihn störte: Es war vor allem die Art, wie mit den Mitarbeitern umgegangen worden sei. „Es ging immer nur darum, aus ihnen alles herauszuquetschen, was ging, sie auszuwringen wie ein Handtuch“, blickt er zurück. Ständig sei man aufgefordert worden, auch an den Wochenenden durchzuarbeiten. „Und dann wurde uns gesagt: ‘Wenn du samstags und sonntags nicht kommst, brauchst du montags nicht mehr wiederzukommen’“ schildert er. Vor allem die Notlage von ausländischen Kollegen - die mitunter nur einen Stundenlohn von 5,68 Euro erhalten hätten – sei dabei ausgenutzt worden. „Sie alle waren unheimlich engagiert, sie hatten Familien zu ernähren. Sie haben sich nie getraut, sich zu wehren, weil sie fürchteten, keinen anderen Job zu finden.“

http://www.derwesten.de/wr/westfalen/Druck-Schikane-und-Angst-ein-Leiharbeiter-packt-aus-id4322703.html
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