Aktive Erwerbslose in Deutschland

Allgemeine Diskussionen => News/Tagespresse/Diskussionen => Thema gestartet von: Rudi Wühlmaus am September 06, 2010, 09:05:16



Titel: Hohe Kinderarmut in der Weststadt
Beitrag von: Rudi Wühlmaus am September 06, 2010, 09:05:16
Die Hälfte aller armen Kinder in Braunschweig ist in der Weststadt, im westlichen Ringgebiet und im Siegfriedviertel zu Hause. Auf den ersten Blick scheint die Kinderarmut in Braunschweig zurückgegangen zu sein, aber der Schein trügt. Tatsächlich leben mindestens 10 000 Kinder unter der Armutsgrenze, glauben die Experten. Das wäre jedes vierte Kind im Alter von 0 bis 19 Jahren.

Die aktuellen Zahlen besagen zwar, dass nur rund 19 Prozent der Braunschweiger Kinder und Jugendlichen in Familien aufwachsen, die von Hartz IV leben müssen. Hartz IV gilt nahezu als Synonym für Armut. Aber die Bilanz ist eben nicht vergleichbar mit jener von 2007 als noch rund 25 Prozent unter Hartz IV fielen.

"Die Veränderung ergibt sich nicht durch Verbesserung der Lebenssituation, sondern lediglich durch Verlagerung nach geänderter Gesetzeslage", sagt Rainer Schubert, Gesundheitswissenschaftler bei der Stadt und Sprecher des Präventionsnetzwerks gegen Kinderarmut in Braunschweig.

Geringverdiener erhalten, anders als vor drei Jahren, statt Hartz IV Sozialtransferleistungen wie Kinderwohngeld oder Kindergeldzuschlag. Schubert meint: "Das bedeutet für etliche der betroffenen Familien sogar ein noch geringeres Einkommen, weil dadurch Vergünstigungen in anderen Bereichen fehlen." Als arm gelten Familien, die mit weniger als 60 Prozent des Durchschnitteinkommens auskommen müssen. Schubert nennt als große Gefährdungen für Armut: Arbeitslosigkeit, Migrationshintergrund, Kinderreichtum, Alleinerziehung.

Die Zahl jener Familien, die begleitende Sozialtransferleistungen erhalten, ist auf kommunaler Ebene statistisch nicht erfasst. Eine bundesweite Untersuchung des Paritätischen zur Kinderarmut geht allerdings davon aus, dass die Kinderarmut durch die Wirtschaftskrise weiter zugenommen hat.

Henning Eschemann, Geschäftsführer des Paritätischen in Braunschweig sagt: "Die vom Bund festgelegten Regelsätze werden insbesondere Haushalten mit Kindern nicht gerecht. Politiker sprechen in Sonntagsreden davon, dass Kinder unsere Zukunft sind, aber die Realität sieht anders aus." Lobend nennt er den besonderen, eigenständigen Braunschweiger Weg als hilfreich für Kinder in Armut.

Propst i.R. Armin Kraft, Armutsbeauftragter von Oberbürgermeister Gert Hoffmann, weist auf die vielschichtigen Folgen der Armut für Kinder hin. "Das reicht von der Gesundheit über die Bildung bis hin zum sozialen Verhalten. Seit 2007 hat sich in Braunschweig eine ganze Menge getan. Braunschweig hat selbst angefangen, die dicke Mauer, die die Armut umgibt, an einigen Stellen aufzubrechen. Dafür bekommt Braunschweig in vielen Städten Aufmerksamkeit", bestätigt er.

Der aus der Öffentlichkeits-Offensive 2007 entstandene Beirat gegen Kinderarmut will sich auf seinen Meriten nicht ausruhen, denn das Thema ist weiter drängend. Kinderschutzbund, Landesschulbehörde, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Schulstadtelernrat, Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände, Kirchen und Stadt arbeiten an Braunschweiger Leitlinien zur Prävention von Kinder- und Familienarmut sowie zur Linderung der Folgen.

Erwartet werden daraus neue Impulse, wie sie die von unserer Zeitung mit angestoßene Debatte gab. Die Stiftungen von Borek, Staake, Volksbank, New Yorker, Bürgerstiftung und VW Financial Services kümmern sich in Braunschweig bereits um gesunde Ernährung, Bewegung, Bildung, Sozialarbeit und auch strukturelle Unterstützung. Die Leitlinien sollen Ende Oktober vorgestellt werden.

Sozialexperte Uwe Söhl von der Diakonie nennt ein weiteres Problem, dass sich in der am vergangenen Freitag aktualisierten Hartz-IV-Statistik ablesen lässt. "Es gibt eine Konzentration der Armut in wenigen Teilen der Stadt. Das hängt mit dem Preis für Wohnraum zusammen. Wer wenig Geld zur Verfügung hat, zieht dahin, wo er am billigsten wohnen kann. Das führt zu Ausgrenzung", sagt er. Mehr als die Hälfte aller Kinder in Armut leben in der Weststadt, dem westlichen Ringgebiet und im Siegfriedviertel.

Für Sozialdezernent Ulrich Markurth sind die aktuellen Zahlen wohl weiter besorgniserregend, aber weder alarmierend noch überraschend. "Braunschweig liegt auf dem Niveau anderer westdeutscher Großstädte", stellt er fest.

Mit dem Präventionsnetzwerk und auch der Wohnungswirtschaft arbeite die Stadt an sozialer Infrastruktur in den jeweiligen Quartieren. "Ich sehe da eine Menge schöner Erfolge. Sorgen mache ich mir allerdings wegen der Bundesgesetzgebung. Wenn weitere Leistungen wie im Sparpaket angekündigt, gekürzt werden, kommen auf uns noch größere Armutsprobleme zu. Leidtragende sind besonders die Kinder."
Montag, 06.09.2010 von Ralph-Herbert Meyer  Quelle li (http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2044/artid/12881125)


Titel: Re:Hohe Kinderarmut in der Weststadt
Beitrag von: Patrik am September 06, 2010, 16:47:49
Braunschweig ist nur die Spitze des Eisbergs

In ganzen Land sieht es so aus. Eltern können nichtmals ihre Kinder zum schwimmen schicken. was droht sind Gewichtsprobleme, Krankheiten wie Diabetes, Hass, Wut, Gewalt, Leid und perspektivlosigkeit. ein teufelskreis. dies trifft am härtesten die Unschuldigen. Die Kinder.

Und wo sind die Jobs wo die Eltern ihre Kinder mit eine bessere Zukunft geben könne?

Ich den Nachrichten wird getönt wieder vom Fachkräftemängel. und die bringen das so rüber als sei es in allen Branchen so. Das es nur in hochspzialisierten Berufen der Fall ist wird nicht erwähnt. Genauso wenig das die Arbeitgeber nicht richtig zahlen wollen und attraktive Stellen schaffen sollen. das wird ausgeblendetet.

Naja ich hoffe ja  das z.B ein europäisches Gericht oder Behörde Deutschland und seinen Regierenden mal die Augen öffnet indem se Druck machen.