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Aktive Erwerbslose in Deutschland (AEiD)

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Autor Thema: Krankheit als Schikanegrund - die Verkommenheit einer kranken Gesellschaft  (Gelesen 729 mal)
Tom_
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« am: April 10, 2013, 09:03:38 »

Seit Jahren ist es kein Geheimnis mehr, dass die Bundesregierungen den Armen im Lande den Krieg erklärt haben. Dies zeigt sich sehr deutlich in den Schikanen, denen diese ob im Umgang mit Jobcentern (früher ARGEs) und Sozialämtern ausgeliefert sind. Folge einer verbrecherischen Gesetzgebung, die alles einem Verwertungswahn unterwirft, auch den Menschen einschließlich seiner Gesundheit. Wert ist nur noch der Leistungsträger. Allen anderen gesteht man nur das Nötigste zu und selbst dieses wird ihnen von vielen geneidet und durch ständige pseudojuristische Tricksereien wieder genommen. Ständig werden die Opfer von überaus willigen Medien zu Tätern erklärt, während die wahren Täter ungenannt und ungestraft ihrem verwerflichen Treiben weiter nachgehen können: Wehrlos gemachten Menschen das letzte Quentchen Lebenswillen und Lebensfreude zu zerstören.

Seit Jahren warnen Mediziner davor, dass dieser ständige Druck und die Schikanen krank machen. Depressionen, Angst- und Panikstörungen, psychosomatische Erkranungen, wie Magenprobleme, Kopfschmerzen und dergleichen mehr sind die Folge. Wer vorher nicht krank war, er wird krank gemacht.

Doch statt diese Warnungen zu beachten und die fortgesetzte vorsätzliche Körperverletzung gegenüber den Betroffenen endlich abzustellen, setzt man noch eines drauf und will jetzt auch noch die Kranken wegen ihrer Krankheiten drangsalieren.

Bis in ihre Wohnungen will man die angeblichen Schmarotzer verfolgen. Prüfen, ob nicht vielleicht doch ein freundlicher Arzt einmal zu viel eine Krankschreibung oder ein Attest ausstellte. Nun sollen die Betroffenen auch noch Angst bekommen krank zu werden. Bisher war Krankheit der einzige Bereich in dem sie noch Erholung von den Zumutungen und Schikanen finden durften. Damit soll jetzt Schluss sein.

Und wieder sind es oft unfähige, weil schlecht ausgebildete und falsch motivierte, Sachbearbeiter, die entscheiden sollen, wem die Prüfer auf den Leib rücken und wem in Folge dann empfindliche Kürzungen des Nötigsten drohen. Und ausgerechnet der MdK der Krankenkassen, der ja in den letzten Jahrzehnten oft dadurch aufgefallen ist, dass er zugunsten der Krankenkassen kranke Menschen wieder besseren Wissens gesund schrieb, soll als Bock zum Gärtner gemacht werden.

Vergessen wird dabei, dass der MdK selbst im Auftrag der Krankenkassen keine Entscheidungen treffen darf, sondern lediglich Empfehlungen ausspricht. Mehr darf er auch für die Jobcenter nicht tun. Diese Empfehlungen, aber auch die Folgerungen der Jobcenter können aber weder eine Krankschreibung aufheben noch ein Attest. Im Gegenteil muss hier in der Konsequenz ein korrektes medizinisches Gutachten erstellt werden. Nur wie soll das in der Praxis funktionieren? Zum Zeitpunkt der Begutachtung ist in der Regel die Krankheit längst überstanden. Der Gutachter kann also nur auf der Basis der Dokumentation des behandelnden Arztes und der Befragung des Patienten arbeiten. Dies ist natürlich schon deswegen mit Fehlern behaftet, weil die Ärzte in der Regel überlastet sind und darunter die Qualität der Dokumentation oft leidet. Natürlich zum Nachteil des Patienten, der als Anwalt in eigener Sache in der Regel auch überfordert sein dürfte.

Was ist nun zu erwarten? Kranke Menschen werden sich trotz Krankheit der Drangsal der Schikanen der Jobcenter genauso stellen, wie es kranke Arbeitnehmer seit längerer Zeit zum eigenen Schaden am Arbeitsplatz ebenso tun.

Verbindet man diese neuerliche Attacke auf die Menschenrechte der Erwerbslosen mit einer schon vorangegangenen Entscheidung, so wird klar, das sozialverträgliche Frühableben der Betroffenen als wohl gewünschtes Ergebnis nicht länger auszuklammern ist. Denn schon vorher wurde beschlossen, dass ein Erwerbsloser nur dann arbeitsunfähig ist, wenn er weniger als drei Stunden am Tag ausbeutbar ist bzw. sich in Pseudoweiterbildungsmaßnahmen, die nur dem Anbieter nutzen langweilen kann. Ansonsten darf man ihn nicht krankschrieben. Dem ging vorher das ebenso unsinnige wie widerwärtigte Bettlägrigkeitsattest voraus, das es ebenso nur für Erwerbslose gab. Die Pariahs der Gesellschaft werden ein weiteres Mal nach abwärts getreten, als Kranke dritter und vierter Klasse.

Wie weit muss ein Land moralisch verkommen sein, um diesen Schritt zu tun und dies auch noch mit weitgehender Zustimmung von größeren Teilen der Bevölkerung? Für diese gelten Erwerbslose nicht erst seit Superminister Clements »Schmarotzdebatte« oder der »spätrömischen Dekadenz« eines Westerwelle, als Faulenzer in der Hängematte des Sozialstaats, die man nie genug drangsalieren kann. Deutsche, ein Volk von Sozialrassisten mit kranker sadistischer Ader? Selbst Rentner und Behinderte gelten als nutzlose »Fresser«. Obdachlose werden Opfer von Mordanschlägen, werden auf offener Straße brutal ermordet, ob durch heftigste Prügel und Fußtritte oder durch Übergiessen mit brennbaren Flüssigkeiten und anschließendem Anzünden.

Was ist in diese Land passiert? Hat man die Lehren der braunen Vergangenheit so schnell vergessen? Lässt man menschenverachtende Politik und Bürokratie wieder gewähren? Macht man noch selbst mit bei der Hatz auf die Schwächsten der Gesellschaft, die es aus der Sicht des neoliberalen Verwertungswahns wie Ungeziefer auszutilgen gilt?

Anständige Menschen sollten nicht mehr länger ihre Augen verschließen und dies ignorieren. Es ist höchste Zeit gegen diese Entwicklung aktiv zu werden. Denn es ist schon längst nicht mehr fünf vor zwölf, sondern schon längst nach zwölf.

Ich schließe meinen Kommentar mit einem Gedicht von Hans-Jürgen Graf genannt »Das Los der Dummdenker« aus dem Jahr 2008:


Das Los des Dummdenkers


Das System und seine Marionetten

zeigen das bleiche Gesicht.

sie müssen sich nicht mehr verstecken.

Doch viele erkennen sie nicht!


Sie grinsen mit dämonischer Fratze,

und drohen mit offenen Phrasen,

der Michel bleibt brav an seinem Platze,

und mäht seinen englischen Rasen.


Sie beleidigen, verletzen und töten,

und übersteigen die Leichen mit lautem Gejubel.

Handeln ist nicht vonnöten,

der Michel frisiert lieber seinen Pudel.


Er denkt in Deutschland darf das nicht sein,

und gestraft werden nur die Bösen.

Lehnt sich zurück im trauten Heim,

und versucht Quiz-Taxi-Fragen zu lösen.


Selbst als sie ihm Pudel und Rasen stehlen,

seufzt Michel nur, was kann ich schon tun?

Das Leben werden sie mir schon nicht nehmen!

Er möge in Frieden ruh‘n.


« Letzte Änderung: April 10, 2013, 09:06:05 von Tom_ »
Tom_
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« Antworten #1 am: April 10, 2013, 20:43:59 »

Über Fehler nicht wundern...ich tippe noch per Spracherkennung, da schleicht sich so manches ein.
Dream71
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« Antworten #2 am: April 10, 2013, 23:51:58 »

ok Tom,danke für die vielen infos welche du uns zukommen lässt.
Gruß Dream
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