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Autor Thema: Leiharbeit im Reinigungsgewerbe  (Gelesen 690 mal)
schimmy
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« am: Oktober 29, 2010, 15:59:17 »


Organisiert eine Macht

Beschäftigte einer Zeitarbeitsfirma versuchen am Flughafen Frankfurt/Main, eine Interessenvertretung zu gründen. Vermeintlichen Initiatoren wurden gekündigt

Schon mehrfach ist der Reinigungskonzern Klüh damit aufgefallen, daß er es mit den Rechten seiner Beschäftigten nicht allzu genau nimmt. So berichteten im Daimler-Werk Untertürkheim vor einigen Monaten Reinigungskräfte von Arbeitsbedingungen, die den Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff an »frühkapitalistische Zeiten« erinnerten. Am Flughafen Düsseldorf bangen 160 Beschäftigte um ihren Job, weil das Unternehmen offensichtlich versucht, eine streikbereite Belegschaft loszuwerden (siehe jW vom 23. Dezember 2009 und 24. April 2010). Und nun steht Klüh bereits der nächste Skandal ins Haus: Am Flughafen Frankfurt/Main versucht das Management der Klüh-Leiharbeitstochter KSM nach Ansicht der Gewerkschaft ver.di die Wahl eines Betriebsrats zu sabotieren – unter anderem mit der Kündigung der vermeintlichen Initiatoren.

»Im Mittelpunkt steht der Mensch, der die Arbeit erbringt.« So heißt es im Selbstporträt des Klüh-Konzerns, der nach eigenen Angaben mit mehr als 40000 Mitarbeitern in zehn Ländern aktiv ist. Zu dem Unternehmensgeflecht gehören auch zwei Zeitarbeitsfirmen: Die Klüh Personal Service GmbH und die KSM Personaldienstleistungen GmbH. Während erstere mit dem Dumping-Zeitarbeitstarif der »christlichen Gewerkschaften« arbeitet, werden bei KSM die zwischen Unternehmerverband BZA und DGB-Tarifgemeinschaft ausgehandelten Entgelte gezahlt, die im Westen aktuell bei 7,56 Euro pro Stunde liegen. Die Flugzeugreiniger von KSM am Frankfurter Flughafen erhalten »sogar« den Mindestlohn der Reinigungsbranche von 8,40 Euro pro Stunde. Dennoch sind sie unzufrieden, vor allem mit den Arbeitsbedingungen. Um sich gegen einseitige Schichtplanung, erzwungene Teilzeitarbeit und willkürliche Urlaubseinteilung zur Wehr setzen zu können, ergriffen einige von ihnen die Initiative zur Gründung eines Betriebsrats.

Unterstützt werden die Angestellten – von denen ein Großteil einen Migrationshintergrund hat – von ver.di. Doch nachdem die Gewerkschaft dem Unternehmen das Ausschreiben zur Betriebsratswahl im August dieses Jahres zusandte, tat sich zunächst nichts. Erst hieß es, man brauche mehr Zeit, weil das Management noch keine Erfahrungen mit Betriebsräten habe. Dann war plötzlich kein Raum zu finden. Nach einigem hin und her fand Anfang dieser Woche schließlich eine Versammlung zur Wahl eines Wahlvorstands statt.

Das Pikante: Alle drei regulären Mitglieder des Gremiums wurden – ebenso wie sechs weitere Beschäftigte – in den Wochen zuvor entlassen. Sie wurden sofort von der Arbeit freigestellt, ihre Dienstausweise, die den Zutritt zum Flughafengelände ermöglichen, eingezogen. Eine schriftliche Begründung hätten die Betroffenen nicht erhalten, berichtet ver.di-Sekretärin Beatrix Müller gegenüber junge Welt. Die KSM-Geschäftsleitung erklärte auf jW-Nachfrage, die betreffenden Mitarbeiter seien »vom Kunden abgemeldet« worden und hätten im Raum Frankfurt/Main nirgendwo sonst eingesetzt werden können. Mit der Gründung eines Betriebsrats, die man nicht zu verhindern oder zu verzögern versuche, hätten die Entlassungen nichts zu tun, versichert das Management.

Ver.di vermutet hingegen, daß gezielt Beschäftigte entlassen wurden, die man für Initiatoren der Betriebsratswahl hielt. »Die Kollegen berichten uns von Einschüchterung und Druck«, sagt Müller. In Gesprächen seien sie aufgefordert worden, Mitarbeiter zu denunzieren oder gegebenenfalls auf einer unternehmensnahen Liste zu kandidieren. Wer das zurückwies, habe die Kündigung erhalten. »Jetzt herrschten in der Belegschaft verständlicherweise Angst und Verunsicherung«, so Müller. Ein Zeichen dafür ist die geringe Beteiligung an der Wahlversammlung, zu der nur 17 der mehr als 100 Beschäftigten kamen. »Wir gehen davon aus, daß das nicht mangelndes Interesse an einem Betriebsrat, sondern das Ergebnis von Einschüchterung ist«, erklärt die Gewerkschafterin. »Schon dieses Vorgehen des Unternehmens macht deutlich, warum es so wichtig ist, hier einen Betriebsrat zu wählen.«

Die ver.di-Mitglieder bei KSM am Frankfurter Flughafen seien in jedem Fall fest entschlossen, die Wahl durchzuziehen, betont Müller. Dazu hätten auch die vielen Solidaritätsadressen aus dem ganzen Bundesgebiet beigetragen – seitdem ver.di den Fall bekanntgemacht hat, haben mehr als 100 Gewerkschafter anderer Betriebe ihre Unterstützung erklärt und gegen das Vorgehen der KSM-Manager protestiert.

Eine erfolgreiche Betriebsratswahl bei dem Unternehmen wäre für ver.di ein Durchbruch. »Das wäre wohl die erste am Frankfurter Flughafen ansässige Leiharbeitsfirma mit einem Betriebsrat – und damit ein Signal an andere Belegschaften, ihr gesetzlich verbrieftes Recht ebenfalls wahrzunehmen«, meint Müller. Tatsächlich arbeiten Tausende der sonst zumeist an unterschiedlichsten Standorten eingesetzten Leiharbeiter am Frankfurter Luftkreuz. Ver.di schätzt die Zahl der am Flughafen Eingesetzten auf mehr als zehntausend. Gewerkschaftlich organisiert und mit Betriebsräten wären sie eine Macht.


http://www.jungewelt.de/2010/10-23/045.php

Arbeitslos - aber nicht machtlos! ALG II abhängig - aber nicht rechtlos!

Meine Beiträge stellen keine Rechtshilfe da, sondern sind lediglich Erfahrungswerte und meine Meinung, welche ich weiter gebe.
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