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Autor Thema: Lohndumping beim Paketdienst  (Gelesen 2165 mal)
Adimin
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Man wird älter..... wenn man in den Spiegel guckt


« am: Mai 17, 2010, 10:58:54 »

Interessant ist hier die unterschiedliche Meinung zwischen SB und Arge-Geschäftsführer. Erst solche Aussagen machen doch dieses Lohndumping möglich.

Lohndumping beim Paketdienst

60 Stunden Arbeit in der Woche und doch kein Geld zum Leben. Ein Ehepaar aus Bad Doberan liefert Pakete für einen Hungerlohn.
Rostock/Bad Doberan (OZ) - Arbeiten für einen Hungerlohn. Immer häufiger reicht auch harte Arbeit nicht mehr aus, das eigene Leben zu finanzieren, weil Arbeitgeber sittenwidrige Gehälter zahlen. Dieses Schicksal teilen auch Christoph und Doreen Bauer (Namen von der Redaktion geändert) aus Bad Doberan. Beide arbeiten als Kurierfahrer für die Lager- und Vertriebsgesellschaft mbH mit Hauptsitz in Schwerin, ein Subunternehmen der Hermes Logistik Gruppe.

„Ich bin meistens zehn Stunden am Tag unterwegs, da mein Arbeitgeber von mir verlangt, täglich 90 Pakete auszuliefern“, sagt der 33-jährige Vater von zwei Kindern. Dafür kassiert er ein monatliches Grundgehalt von 401 Euro plus 25 Cent pro Paket. In einem Monat kommt Bauer damit auf rund 730 Euro, wovon ein Netto von 590 Euro verbleibt. Ehefrau Doreen ist als Briefausträgerin für dasselbe Unternehmen sogar noch viel schlechter dran: Pro ausgetragenem Brief erhält sie 15 Cent. Da die Adressen vor allem in Dörfern rund um Bad Doberan liegen, ist sie täglich rund sechs bis sieben Stunden unterwegs. Macht bei angenommenen 147 Arbeitsstunden im Monat einen Stundenlohn von 50 Cent! Das belegen Gehaltsabrechnungen, die der OZ vorliegen.

„Wir wollen ja arbeiten“, sagt Hartz IV-Empfänger Christoph Bauer, den das Jobcenter Bad Doberan an die LVG vermittelt hat. „Gerne auch zehn Stunden am Tag, das macht mir nichts aus. Aber dann muss doch auch etwas dabei herauskommen.“ Das gemeinsame Frühstück mit den beiden Kindern finde kaum mehr statt. Lediglich alle zwei Wochen haben Doreen und Christoph Bauer sonntags und montags frei.

Mario Klepp, Fachsekretär der Gewerkschaft Verdi für den Bereich Transport und Logistik, ist empört: „Die LVG unterwandert mit solchen Anstellungsverträgen ihren eigenen Tarifvertrag.“ Der sei mit Gültigkeit zum 1. Januar 2009 nach „langem Kampf mit der Geschäftsführung“ erstmals ausgehandelt worden. Zuvor waren bei der LVG Tarife aus den Neunziger Jahren gültig. So lange habe es dort keine Gehaltssteigerungen für die rund 100 Mitarbeiter mehr gegeben. „Der neue Tarifvertrag hat auf Anhieb sechs bis acht Prozent Gehaltssteigerung gebracht — das war recht ordentlich“, sagt Klepp. Nach Tarifvertrag verdient ein Kurierfahrer 8,34 Euro pro Stunde — ab 1. Juni steigt das Gehalt sogar auf 8,60 in der Stunde an. Nahezu das Dreifache von dem, was Christoph Bauer verdient.

Von dem Verdienst seiner Frau ganz zu schweigen. „Rein an Stückzahlen gebundene Gehaltsvereinbarungen dürfte es auch gar nicht mehr geben“, kritisiert Gewerkschafter Klepp. Der befürchtet, dass sich die LVG durch billige Arbeitskräfte wie die Bauers mittelfristig von seinen festangestellten Kurierfahrern verabschieden will.

Die LVG in Schwerin war gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG nicht zu einer Stellungnahme bereit. Man sehe „absolut keine Veranlassung“, sich zu dem Sachverhalt zu äußern, teilte der Geschäftsführende Gesellschafter Jörg Retzlaff mit, als die OZ ihn mit dem Vorwurf des Lohndumping konfrontierte.

Laut Gerhard Grösch, Geschäftsführer des Jobzentrums in Bad Doberan, sei es leider kein Einzelfall, dass Betriebe den Hartz IV-Aufstockern Löhne von weniger als drei Euro die Stunde bezahlen. „Uns liegen derzeit rund 40 Verdachtsfälle vor, die wir jetzt sichten und denen wir nachgehen“, so Grösch. Denn je weniger ein Arbeitgeber bezahlt, umso höher ist die Summe, die das Jobzentrum aufstocken muss. „Und wenn sittenwidrig niedrige Löhne gezahlt werden, fügt der Arbeitgeber damit dem Staat einen Vermögensschaden zu.“ Theoretisch könne das Geld zwar zurückgefordert werden. „Allerdings ist es nicht leicht, das einem Unternehmen nachzuweisen. Vor allem dann nicht, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich einig sind“, erläutert Grösch.

Die Gefahr besteht bei den Bauers nicht. Sie würden lieber heute als morgen das Arbeitsverhältnis mit der LVG beenden. „Aber wenn wir von uns aus kündigen, bekommen wir eine Sperrfrist und damit für zwei bis drei Monate kein Geld“, klagt die 29-jährige Doreen. Das habe ihnen ihre persönliche Beraterin beim Jobcenter angedroht. Der Jobcenter-Geschäftsführer widerspricht: „Aus wichtigem Grund darf ein Hilfebedürftiger sehr wohl kündigen. Und sittenwidrige Löhne sind mit Sicherheit ein wichtiger Grund.“
OLIVER VOGT

Quelle: link

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