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Autor Thema: Spektakel um Guttenberg verweist auf eine skandalöse Gleichgültigkeit der Medien  (Gelesen 936 mal)
Tom_
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« am: Februar 19, 2011, 02:03:33 »

Zitat
Ob die in einem Internetprojekt zusammengestellten "Plagiatsnachweise" zur Dissertation von Minister Guttenberg wirklich alle stimmen und am Ende gar einen Fall von Hochstapelei zum Vorschein bringen, das weiß ich zur Stunde nicht. Es ist schon ziemlich harter Tobak, der da vorgetragen wird. Bei so viel Aufgeregtheit und schadenfrohem Amüsement im Netz sollte man vielleicht einen Moment innehalten. Die im wissenschaftlichen Bereich geltende Sorgfaltspflicht ist da, wo es um das Ansehen eines Mitmenschen geht, ja noch viel dringender geboten.

Es geht um ein konservatives Anliegen

Der Minister hat nun seinen Doktortitel erst einmal niedergelegt und verweist auf das Untersuchungsverfahren der Universität. Die Plattformen im Netz sollte man derweil als kritische Begleiter schätzen. Dort wird wieder über formale Grundtechniken des geistigen Arbeitens diskutiert, und das ist auf jeden Fall eine gute Sache. Ordentliches Zitieren, Transparenz beim Paraphrasieren und überhaupt die dankbare Benennung geistiger Anreger, solche minimalen Grundregeln jeder Textwerkstatt sind nicht nur eine Frage des Anstandes.

Wir kommen in Teufelsküche, wenn unter den Bedingungen der modernen Kommunikationstechnologie der geistige Diebstahl – in Form einer angemaßten Autorenschaft – nur als Kavaliersdelikt abgetan wird. Unsere Kulturtechniken verdanken wir dem Ringen und Mühen vieler Generationen. Sie müssen – samt der Freude an zwischenmenschlicher Forschungskommunikation – an die nächste Generation weitergegeben werden. An dieser Stelle bin ich ein "Konservativer". Zum wissenschaftlichen Ethos gehört ein kritischer Geist, aber ebenso gehören dazu Respekt und Staunen vor den Früchten der Arbeit anderer, seien dies Lebende oder längst Verstorbene.

Am Ende ist die Kopiertaste allerdings auch ein Politikum. Wie war das noch beim Irak-Krieg? Gehörten da nicht Textpassagen, die ein britischer Regierungsmitarbeiter ohne Überprüfung und Quellenangabe einfach übernommen hatte, mit zu den argumentativen Mosaikbausteinen der Angriffskrieger? Das entlassene Wort, so steht es schon im Jakobusbrief des Neuen Testamentes, kann eine Mörderdrohne sein. Alles ist möglich im GaGa-Universum der virtuellen Sensationen, und im Extremfall bezahlen sogar unbeteiligte Menschen dafür mit ihrem Leben. Beim Ethos der Textproduktion geht es nicht um bloße Formalia.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34226/1.html
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