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Autor Thema: Stimmungsdemokratie  (Gelesen 529 mal)
Archetim
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Wer nicht arbeitet, muss auch nicht essen!


« am: September 20, 2010, 13:36:06 »

Stimmungsdemokratie

Von allen Dampfplauderern und Dünnsuppenköchen ist Hermann Gröhe ein ganz besonders abgebrühter. Was der Mann an hohlen Floskeln raushaut, kann beim unbedarften Zuhörer ein schweres Trauma auslösen. Und selbstverständlich hat auch er die Kampagnenhupe der Stromwirtschaft im Anschlag, um jeden, der den Unterschied zwischen erneuerbaren Energien und erneuerbaren Großlügen kennt, zu übertönen. Wer gegen die Projekte der Monopolisten oder sonstige blödsinnige Riesenprojekte ist, soll als Depp dastehen, da sind sich die Industrie und ihre politischen Handlanger einig.

Ganz Große Lyrik ist allerdings der Begriff “Stimmungsdemokratie”. Ausgerechnet ein Martkschreier der Zunft, die eine stumpfinnige Meinungsumfrage nach der anderen kauft oder verdreht, um ihre “Erfolge” anzupreisen, findet es plötzlich irrelevant, was das Volk denkt. Das läßt tief blicken. Wenn die Menschen sich nicht zur Bestätigung vorgeformter Aussagen drängen lassen, sondern sich engagieren und ihrer Meinung aufs Deutlichste Ausdruck verleihen, dann sind das “Stimmungen”, denen nachzugeben “gefährlich” sei.

Klarer kann man seine Verachtung gegenüber der Demokratie und dem obersten Souverän kaum äußern. Das Volk hat nicht das Recht auf eine Meinung, schon gar nicht, wenn sie von den Plänen seiner abgehobenen ‘Stellvertreter’ abweicht. Das Volk besteht nämlich aus Wählern, und eine Wahl ist die Zustimmung zu allem, was die Gewählten fortan zu tun gedenken. Ablehnung und Kritik sind nicht vorgesehen. Und wenn die vereinigte Schlipsträgerkaste es dann fertigbringt so zu dilettieren, daß es selbst den Michel auf die Straße treibt, dann ist Ignoranz die oberste Direktive: Der Bürger hat das Maul zu halten.

“Wenn die SPD wieder mehr mit Gewerkschaftern reden würde, statt mit Grünen und Linken um Attac-Fans zu buhlen, wüsste auch sie, dass moderne Industriepolitik ein Gebot der Stunde ist – geleitet von den Interessen unserer Bevölkerung.”
Das ist Gröhes Schlußwort.
So ist das also: Hie Grüne, Linke und Attac-Fans, dort vernünftige Industriepolitik, die gleichbedeutend ist mit den “Interessen der Bevölkerung”. Die “Bevölkerung”, so lernen wir also, das sind die Vorstände und Aufsichtsräte. Alle anderen sind jene Fanatiker, die noch immer nicht verinnerlicht haben, daß “sozial ist, was Arbeit schafft”.

Fürwahr: Dieses Weltbild ist so reaktionär, daß es sich von der Stimmung im Volk auch dann nicht abhängig macht, wenn Hunderttausende auf die Straße gehen. Woher kennen wir das bloß? Die “Stimmung” ist exakt dann relevant, wenn der Bürger wiederkäut, was ihm zuvor gefüttert wurde. Denn eines lernt der organisierte deutsche Demokrat schon in der Parteijugend: Vox populi vox Rindvieh.

Gefunden im Feynsinn-Blog

Der sozialökonomische Holocaust hat in Deutschland Einzug gehalten. Später will es wieder niemand gewesen sein - Anonym
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