Storch HeinarStorch Heinar
Aktive Erwerbslose in Deutschland (AEiD)

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Übersicht Aktuelles Hartz IV Infobank Daily News Impressum Mitglieder Registrieren
News:


Seiten: [1]   Nach unten
  Drucken  
Autor Thema: Tango Dilletanti - oder wie promovieren Politiker  (Gelesen 1218 mal)
Tom_
Normale Mitglieder
*
Offline Offline

Beiträge: 1.902



« am: Februar 26, 2011, 11:05:04 »

"Wie kam Frau Dr. Schröder zu ihrem Doktortitel?
Freitag, Februar 25, 2011, 05:51 PM - Gesellschaft
Kristina Schröder, geb. Köhler, ist seit dem 30. November 2009
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
"Gerechtigkeit als Gleichheit? Eine empirische Analyse der objektiven
und subjektiven Responsivität von Bundestagsabgeordneten", so der
Titel ihrer Doktorarbeit.

Ich habe diese Dissertation gelesen und bin erschüttert, mit welchem
Schund man promovieren kann. Gleichzeitig ist diese Arbeit auch ein
Beleg dafür, wie es um unser Bildungssystem bestellt ist.

Im Internet sind einige Rezensionen über diese Arbeit zu finden.

Die ausführlichste und beste ist die von Hadmut Danisch. Ich zitiere
hier sein Fazit. Es lohnt sich aber auf jeden Fall die komplette
Rezension zu lesen, weil diese auch kleine Einblicke in den heutigen
Wissenschaftsbetrieb liefert.
----

    Ich komme daher zu dem Ergebnis, daß ich diese Arbeit für einen
Fake halte. Nach dem Motto mach halt irgendwas, liest und versteht ja
sowieso keiner.

    Diese Arbeit hat keinen wissenschaftlichen Inhalt, dafür aber
eine Erklärung der Doktorandin, daß sie das auch gar nicht will und
ablehnt. Wie man sowas als Dissertation annehmen kann, ist mir völlig
unverständlich.

    Es ist aber nicht etwa nur so, daß die Arbeit nur die Befähigung
zu wissenschaftlichem Arbeiten nicht nachweist. Es ist viel
schlimmer. Ich sehe in dieser Arbeit so viele schwere und
systematische Fehler, und halte die Vorgehensweise an manchen Stellen
für so naiv, daß ich zu der Meinung gelange, daß die Arbeit sogar
nachweist, daß Köhler nicht befähigt ist und mit wissenschaftlicher
Arbeit weit überfordert ist. Ich habe sogar den Eindruck gewonnen,
daß sie gar nicht weiß, was wissenschaftliches Arbeiten überhaupt
ist, beispielsweise wenn sie die wissenschaftliche Erklärung nicht
von einem Werturteil unterscheiden kann. Wenn nichts belegt oder
begründet wird. Sie macht halt einfach irgendwas und die Seiten
füllen sich eben. Wenn eklatante Fehler nicht bemerkt werden. Wenn
man sich mit der Wiedergabe empirischer Werte schon genug ist.

    Auch macht die Arbeit auf mich einen schlampigen Eindruck.
Ungeordnet. Zitat mit Grammatikfehler, Definitionen wirr und
unstrukturiert, sie liegen irgendwo im Kapitel über Stand der
Wissenschaft herum. Die Fragestellungen sind nicht durchdacht. In der
Zeitung stand, Köhler habe nur promovieren können, weil sie ein so
gutes Zeitmanagement habe. Auf mich wirkt das genau wie das
Gegenteil. Da hat wohl jemand 5 Jahre rumgemacht, sich nur ab und zu
mal gekümmert, und ist jahrelang nicht vom Fleck gekommen. Als habe
man jahrelang keinen wissenschaftlichen Ansatz gefunden. Und dann
irgendwann gesagt, jetzt muß Schluß sein, jetzt machen wir das Ding
eben fertig, egal wie. Also lassen wir den ganzen Wissenschaftskram
einfach weg, kehren das zusammen und herzlichen Glückwunsch. Es würde
mich gar nicht wundern, wenn da doch noch auf dem Rechner ein völlig
vergurktes und nicht vorzeigbares kariöses Kapitel über
wissenschaftliche Überlegungen herumliegt, bei dem man sich
entschieden hat, es dann lieber wegzulassen. Denn die Arbeit wirkt
so, als hätte da nach Kapitel drei noch was kommen sollen – und
müssen. Und stattdessen hat man schnell in das Vorwort geschrieben
hat, hört zu, ich bin jetzt einfach Anhängerin des Postulats von Max
Weber, deshalb kann ich auch ohne wissenschaftliches Kapitel
promovieren. Ätsch! (Es wäre damit zu rechnen, daß die Zahl der
Anhänger von Max Weber künftig rapide ansteigt, wenn sich
herumspricht, daß die dann auch ohne wissenschaftliche Mühen zu einem
Doktor kommen. Halt nur dumm, daß das wohl nicht stimmt und Weber –
soweit ich ad hoc sehen konnte – etwas anderes postuliert hat.)

    Das ganze Ding kommt mir so vor (auch weil es auf einem
SPIEGEL-Artikel von 2004 und der Bundestagswahl 2005 beruht), als
gammelte das da schon seit Jahren am Institut rum. Und dann hat dann
wohl mal das Dekanat oder das Rektorat – wie die das eben so machen –
nachgefragt, was denn da los wäre, da wäre eine Promotion schon über
die Jahre hinaus. Die würde ja schon verjähren.

    Und dann hat man vielleicht gemacht, was man in solchen Fällen so
oft macht, daß man die Leute mit völlig unfertigen und nicht
vorzeigbaren Dissertationen mal vorpromoviert, damit sie schon mal
die Note haben und als fertig gelten. Das geht natürlich viel
einfacher, wenn der Zweitgutachter wie hier aus dem gleichen Laden
stammt. Dann ist die Prüfung eine Formalie, eine Lachnummer. Und dann
wird die Dissertation eben noch nachträglich geschrieben. Weil es an
vielen Fakultäten nicht unüblich ist, daß das dann noch ein oder gar
zwei Jahre dauert. Das würde erklären, warum die zu ihrem Doktor
gekommen ist, obwohl (noch) keine wissenschaftliche Leistung
vorliegt. Es ist halt so eine richtig dumme (und nicht seltene)
Situation, wenn auf diese Weise jemand vorzeitig promoviert wird, und
man erst danach merkt, daß er die Dissertation, für die er schon eine
tolle Note bekommen hat, nicht zustandebringt. Ich habe schon mal so
einen erwischt. Der hatte zur Prüfung mit „sehr gut” gar keine
Dissertation. Und dann dachte man wohl, es fällt keinem auf, wenn es
keine gibt. Als ich dann zwei Jahre nach der Prüfung im Dekanat
nachfragte, weil ich gerne mal diese Dissertation lesen wollte, bekam
man einen Schreck und hat in aller Eile die Dissertation erst einmal
geschrieben und zum Druck gegeben – sie bestand nur aus
Fremdmaterial, keinerlei Eigenleistung. An das erinnert mich diese
Dissertation hier.

    Nun ruft aber plötzlich die Merkel an. Hör mal, der Jung ist
zurückgetreten (oder tritt in den nächsten Tagen zurück), wir machen
hier gerade Stühlerücken, und ein Stuhl wird frei. Wär doch was, dann
wirste Ministerin.

    Und dann könnte es so gelaufen sein, daß man erstens sagte, ein
Doktor zur Ernennung als Ministerin wäre schön, das macht sich gut.
Und zweitens hat man dann noch weniger Zeit, dann wird da eh nichts
mehr draus. Und dann sagte, die Dissertation ist zwar noch völlig
unfertig, aber machen wir sie halt auf die Schnelle noch fertig und
drucken sie. Deshalb ist die wohl auch schon mit Doktor rumgelaufen,
bevor das Ding gedruckt war, was eigentlich ein Unding ist. Dann wäre
es keine Promotion, sondern ein Betriebsunfall.

    Wenn ich eine so lausige Dissertation sehe, dann sehe ich
normalerweise nur zwei Möglichkeiten, nämlich daß die Prüfer entweder
selbst keine Ahnung von wissenschaftlichem Arbeiten haben oder daß
sie absichtlich weggeguckt und bewußt falsch bewertet haben. Meistens
ist sogar beides der Fall.

    Hier sehe ich noch eine dritte Möglichkeit, nämlich daß die
Prüfer ganz bewußt jemanden vorzeitig (und damit grob rechts- und
pflichtwidrig) promoviert haben, es auf eine nachträgliche Arbeit
haben ankommen lassen und dann in ihrem Vabanque-Spiel von der
Ernennung überrollt wurden. Was blieb ihnen da noch anderes übrig,
als gute Miene zu machen und die Doktorandin gegenüber der Presse zu
loben? Das würde auch die Drohgebärden der Anwälte erklären. Denn nun
hat der lieber Doktorvater (aufgrund eigener Nachlässigkeit) eine
peinliche Dissertation am Hals, die er aus politischen Gründen loben
muß, obwohl sie grottenschlecht ist. Kein Wunder, daß die mit den
Anwälten auf jeden losgehen, der fragt.

    Wie dem auch sei, ich halte diese Dissertation keinesfalls für
promotionswürdig und den Doktorgrad für ungerechtfertigt. Meines
Erachtens müßte es hier eine Untersuchung geben und geklärt werden,
wie dieser Doktor zustandekam. Danach weiß man, inwieweit das
disziplinarisch, strafrechtlich und verwaltungsrechtlich durch
Feststellung der Nichtigkeit der Promotion und dem Entzug des Grades
zu würdigen wäre.

    Wäre die deutsche Wissenschaftsszene seriös (was sie nicht ist),
dann müßte ein solcher Vorgang zum Absturz der Reputation der
beteiligten Wissenschaftler führen. Was auch nichts machen würde,
denn die meisten deutschen Professoren haben keine und das stört auch
niemanden.

    Bleibt zu hoffen, daß dadurch endlich eine öffentliche Diskussion
über die extrem korrupte und willkürliche deutsche Promotionspraxis
und die Inkompetenz deutscher „Wissenschaftler” in Gang kommt. Der
dritte Teil der Bologna-Reform soll ja die deutsche Promotion
ersetzen, weil sie international als so undurchsichtig und nicht
nachvollziehbar angesehen und gerügt wird. Es wird höchste Zeit, daß
dieser Sumpf endlich trockengelegt wird.

Komplette Rezension: forschungsmafia"

Fussnote:
http://aristo.excusado.net/comments.php?y=11&m=02&entry=entry110225-1
75135

Als nächstes muss unbedingt Doktor (!!!) Kristina Schröders
"Doktorarbeit" durchleuchtet werden, dieser "ahnungslosen Trutsche"
(Wilfried Schmickler, Mitternachtsspitzen 18/19.02.2011).
Seiten: [1]   Nach oben
  Drucken  
 
Gehe zu:  

Powered by MySQL Powered by PHP Powered by SMF 1.1.11 | SMF © 2006-2009, Simple Machines LLC Prüfe XHTML 1.0 Prüfe CSS
Seite erstellt in 0.128 Sekunden mit 21 Zugriffen. (Pretty URLs adds 0.007s, 2q)
© Design 2010 - 2020 by Rudi Wühlmaus