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Autor Thema: Über die Ansprüche an unsere Kinder  (Gelesen 892 mal)
Archetim
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Wer nicht arbeitet, muss auch nicht essen!


« am: Juli 25, 2010, 16:05:39 »

Hier habe ich mal einen sehr interessanten Artikel gefunden, der zum Nachdenken über unser System an sich anregen kann. Das Blog, aus dem dieser Artikel stammt wird von einer Erzieherin im Kindergarten geschrieben, was die persönliche Note dieses Artikels erklärt.


Zitat
Liebes Kind,

ich schreibe gerade einen Abschiedsbrief an Dich. Ich erzähle dir darin, was du alles im Kindergarten erlebt hast, wofür du dich sehr interessiert hast, worüber du gelacht hast, wer deine besten Freunde sind, ob du gern singst oder lieber raufst und dass du gelernt hast, wie Meerschweinchen sich ernähren. Dazu schenken wir dir 100 Fotos, auf denen du dich selber sehen kannst, vollgematscht, oder hochkonzentriert, mit den Armen in der Farbe oder mit großen Augen vor einem Bild, das du betrachtetst, verkleidet als Astronaut, beim Sprung von einem Klettergerüst, bepackt für eine Wanderung im Wald oder unter Wasser in unserem Babypool. Das soll eine Erinnerung für Dich sein an eine unbeschwerte und erfüllte Zeit im Kinderhaus. Wenn du dich später im Leben einmal fragst, ob du schon immer ein Haudegen warst, oder ob du schon immer gern gesungen hast: lies den Brief noch einmal. Es ist ein großer Schatz etwas darüber zu wissen, wie man eigentlich als Kind war, welche Träume man hatte und  wieviel Spaß man mit seinen Kumpels hatte.

Aber mir brennt noch etwas auf der Seele. Etwas, das ich dir nicht schreiben kann in deinen Abschiedsbrief, weil es dich schwer und sorgenvoll machen würde und weil meine Ängste dich beeinträchtigen würden. Aber es muss gesagt werden.

Das ist es, was ich dir eigentlich noch sagen will:

Deine Schonzeit ist jetzt mit  dem Ende der Kindergartenzeit  vorbei. Für viele deine Altersgenossen war die schöne Zeit schon lange vorher vorbei und der Kindergarten war bereits der bittere Ernst. Es geht nämlich nicht darum, dass du deinen eigenen Weg gehst, dass dein Ziel ein erfülltes und glückliches Leben ist, sondern dass du den Anforderungen der Menschen um dich genügst. Du weißt es noch nicht, aber du spürst es schon: du genügst nicht, du genügst nie. Du bist nämlich Humankapital und Kapital muss sich vermehren, das ist sein einziger Daseinszweck. Und einen Mehrwert musst du aus dir selbst heraus erzeugen, darum wird in deine Bildung viel Geld investiert. Es kann nämlich nicht sein, dass ein Hoffnungsträger einer ganzen Familie, Stadt, Gesellschaft ( Zukunft!!)  nutzlos ist, sich nur selbst genügt und seine Ruhe haben will, um vielleicht die Gesellschaft von der Seite zu beobachten, verliebte Bilder zu malen oder sich philosophische Gedanken zu machen..  Das ist nicht produktiv, nicht ökonomisch und nicht marktfähig. Wenn heute ein Kind zum Instrumentalunterricht angemeldet wird, dann mit dem Hintergedanken: es ist zwar teuer, aber später kann er/sie sich damit das Studium finanzieren und außerdem soll es gut sein für bessere Schulleistungen insgesamt. Eine gute Investition also. Diese Art Hintergedanken beherrschen Eltern und Großeltern, sind entscheidend bei allen Plänen, bei allen Bemühungen und bei jedem Entschluss. Und nicht die Liebe zur Musik. Die Notwendigkeit zur Investition ist es, die deine Eltern antreibt.

Als Kinder noch der Garant für ein erträgliches Alter der Eltern waren und  als eine Art Rentenversicherung gezeugt wurden, war die Last der Kinder kleiner: sie ruhte auf vielen Schultern. Heute sind es höchstens zwei Kinder, die “zukunftsfähig” gemacht werden müssen. Und es wird gemacht! Du wirst gemacht!

Auch deine Eltern, liebes Kind, sorgen sich in den Schlaf hinein: ob es wohl wirklich der beste Kindergarten ist? Ob es nicht längst Zeit ist, mit dem Tanzunterricht, English oder Tischtennis oder Klavierunterricht anzufangen. Ob man nicht längst mit dir beim Ergotherapeuten/Logopäden oder Lerntherapeuten sein müßte - zur Vorbeugung. Ob man nicht im falschen Stadtteil wohnt, weil so viele Kinder schlecht Deutsch sprechen. Ob man dich nicht noch eher einschulen sollte, damit du kein Jahr “verlierst”? Ob man dich nicht schon testen lassen sollte, damit man vor der Einschulung schon der Lehrerin einen Tip geben kann, wo deine Begabungen liegen. Und mit den Tests, die schon im Kindergarten stattfinden, wird auch dein Marktwert schon bestimmt.

Den kompletten Artikel gibt's in diesem Blog

Der sozialökonomische Holocaust hat in Deutschland Einzug gehalten. Später will es wieder niemand gewesen sein - Anonym
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