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Autor Thema: Nürnberg: Sozialamt verweigert alle Hilfsmittel  (Gelesen 4918 mal)
Tom_
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« am: August 20, 2010, 15:03:22 »

Die Lage ist für Nichtbetroffene nicht so leicht zu verstehen, denn wer kennt schon die Auswirkungen stark ausgeprägter Hausstaubmilbenallergie...vorallem einer, die nicht auf Antiallergika anspricht bzw. nur kurzzeitig.

Nun, juckende und brennende Augen, oft so stark entzündet, dass Augen vereitert sind und man kaum noch sehen kann. Juckende Haut mit entzündeten Stellen auf der Kopfhaut, Probleme mit der Atmung, gereizte Schleimhäute in Mund und Nase mit wunden Stellen. Das alles ist der Normalfall, wenn man von einer besonders heftigen Variante betroffen ist. Niesen? Na klar, aber nicht ein oder zwei Mal, sondern auch bis zu 20 Mal hintereinander, bis man das Gefühl hat die Nase würde platzen.

Dagegen kann man doch etwas tun, denkt man, aber die Hilfen sind nicht so umfangreich, wie erhofft. Viele Medikamente haben so heftige Nebenwirkungen, dass dagegen die Allergie wie Erholung erscheint. Augentropfen, die bei 10 von 100 Patienten große Probleme bewirken, die sogar dauerhafte Augenschädigungen verursachen können. Ist das die Lösung? Sogenannte Encasings (Milbenschutzhüllen)für Matratze, Oberbett und Kissen, die Lösung? Teilweise... Ein Aufatmen...Hyposensibilisierung, das Zauberwort aus dem Bereich der Pollenallergien. Endlich ein dauerhafter Ansatz und dann gleich die Ernüchterung. 50% Erfolgswahrscheinlichkeit bei 5 Jahren Behandlung mit je einer Spritze in der Woche. Risiken bis zum Multiorganversagen. Und selbst bei Erfolg ist die Allergie nicht weg, sondern lediglich geringer. Es gilt schon als großer Erfolg, wenn die Menge der Medikamente um ein Drittel reduziert werden kann.

Was nun? Viele Gespräche mit Augenärzten, HNO Ärzte, Hautärzten, Allergologen, Internisten usw. folgten. Und es gibt wohl nur zwei effektive Lösung.

1.) Hausarbeit auf keinen Fall mehr selbst machen. Eine Haushaltshilfe ist also nötig.
2.) Schutzmittel gegen Milben. Diese wären Augenschutz, Atemschutz und Ganzkörperhautschutz für Arbeiten im Haushalt. Spezielle Waschlotionen für Teppichböden mit Antimilbenwirkstoff. Nein, der glatte Boden ist bei Milbenallergie nicht besser wie aktuelle Untersuchungen nachweisen könnten. Sinnvoll ist ein dichter Kurzflorteppich, der entsprechend behandelt wird.

Sozialämter sind verpflichtet Hilfsmittel bei Krankheit zu übernehmen, wenn diese nötig sind und von der Krankenkasse nicht übernommen werden (müsse). Nur das Nürnberger Sozialamt kennt bei Anträgen nur eine Reaktion, das klassische Nein mit dem Hinweis die nötigen Hilfsmittel seien aus dem Regelsatz zu bezahlen.

Wie sieht es mit den zusätzlichen Fahrtkosten bei der Hyposensibilisierung aus? Abgelehnt...
Wie sieht es mit den zusätzlichen Stromkosten wegen häufigerem Saugen, Waschsaugen und Wäschewaschen aus? Abgelehnt...
Augentropfen und Antiallergika...Abgelehnt...Wer hatte anderes erwartet?

Ach ja, hatte ich das Asthma erwähnt, dass ja aufgrund der Problematik nicht besser wird?
Hatte ich erwähnt, dass die Sehkraft sich verschlechtert (Brille auch abgelehnt-billigste geeignete 650 Euro!) und das laut Arzt aufgrund der ständigen Entzündungen?
Hatte ich auch schon erwähnt, dass die Atemwegsentzündungen den Einsatz eines dringend notwendigen Überdruckbeatmungsgeräts wegen komplexer, zentraler Schlafapnoe verhindern und dadurch das Infarkt und Schlaganfallrisiko gefährlich ansteigt? Hatte ich erwähnt, dass es im letzten Oktober bereits zu einem leichten Schlaganfall mit zweitweiligen Totalausfall des Sprachzentrums (Kein Sprechen, kein Lesen, kein Schreiben und Probleme Gesprochendes zu verstehen) gekommen ist?

Nun steht also die Klagephase an...es wird spannend.

Ich hatte aber doch sicher erwähnt, dass sich Nürnberg gerne als die Stadt der Menschenrechte feiert, aber Behinderte und Kranke gelten in dieser Stadt wohl nicht als Menschen...
« Letzte Änderung: August 20, 2010, 15:24:16 von Tom_ »
Tom_
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« Antworten #1 am: Oktober 12, 2010, 15:35:56 »

Klagen gerade in Vorbereitung. Es geht rund!
Tom_
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« Antworten #2 am: Dezember 28, 2010, 01:14:14 »

Und das Gericht läßt sich Zeit. Ich ahne welcher Richter das auf dem Tisch hat. Da gibt es leider einige, da können sich Klagen über Jahre ziehen, die andere in Wochen entschieden hätten.
Sevi
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« Antworten #3 am: Dezember 29, 2010, 15:18:33 »

gehts noch? billigste geeignete Brille 650 Schleifen? kein Wunder das du alles abgelehnt bekommst!

Sorry aber irgendwo ist ne Grenze und unverschämt muss man doch nciht werden, oder?

Sevi 

"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Zitat aus "der kleine Prinz"
Adimin
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Man wird älter..... wenn man in den Spiegel guckt


« Antworten #4 am: Dezember 29, 2010, 16:37:04 »


Bevor wir hier ins Beleidigende kommen:
Es gibt ja nicht nur gesunde Menschen.
Es gibt auch eine Menge Menschen, die körperlich schwer beeinträchtigt sind.
Und bei denen nicht alles mit einer Brille von Fielmann oder mit ein paar Medis aus dem Supermarkt getan ist.
Es geht hier um wesentliche Hilfsmittel für chronisch kranke Menschen und Schwerbehinderte.

Diese Menschen sind noch mehr als die "normalen" Hartzer von den ganzen Dingen betroffen.
Und ohne eine Aussicht, die Probleme lösen zu können oder eine Änderung herbei zu führen.

Ausserdem geht es , wie Du vielleicht erlesen hast, um die Leistungen nach dem SGB XII, nicht nach dem SGB II.

Sevi
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« Antworten #5 am: Dezember 30, 2010, 09:30:11 »

Liebe Adi,

es existiert ein Optikergeschäft in meiner Family, bitte sei mir ned bös' aber in
Bezug auf Brille weiss ich, wovon ich rede. Da ist die Form nach dem die Brille
bezahlt werden soll, aussen vor.

Liebe Grüsse

Sevi 

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Adimin
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« Antworten #6 am: Dezember 30, 2010, 11:19:00 »

Auch ich habe verschiedene Gewerke in meiner Familie, würde mir aber nie eine Aussage zu den spezifischen Dingen erlauben.

Es geht hier nicht uim die Form der Brille oder die der Bezahlung.

Es geht hier um ganz individuelle Schicksale, gesundheitliche Gegebenheiten und Behinderungen.
Das soll und muss man berücksichtigen. Und dann sollst Du einmal sehen, wie schnell Summen bei den Firmen auflaufen können.
Man kann Menschen nie über einen Kamm scheren. Alles ist immer ein Einzelfall.

Zwergenmama
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« Antworten #7 am: Dezember 30, 2010, 15:08:10 »

Habe im Herbst 09 Klage bei SG eingereicht, wegen Mehrbedarf zur Ernährung bei Lebensmittelunverträglichkeit. Das dauert und dauert und dauert... .

Letzten Endes wird nur die Klage bleiben- ich würde an deiner Stelle direkt zum SG fahren und dort fragen, ob in eurem Fall mehrere Eilklagen angemessen wären (Hausstaub-Allergie mit extrem gesundheitlichen Einschränkungen, usw.)
lenny
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« Antworten #8 am: Dezember 30, 2010, 22:23:02 »

Liebe Adi,

es existiert ein Optikergeschäft in meiner Family, bitte sei mir ned bös' aber in
Bezug auf Brille weiss ich, wovon ich rede. Da ist die Form nach dem die Brille
bezahlt werden soll, aussen vor.

Liebe Grüsse

Sevi  

Wenn es um Krankheit geht, sollten alle Diskussionen außen vor sein, denn niemand, der damit nicht belastet ist, kann das nachvollziehen, auch kein Optiker in der Familie.Denn gesundheitliche Werte, die er nun einmal benötigt,um eine  Rechnung aufstellen zu können, hatte er nicht zur Hand.
Und falls noch ein Gehörakustiker in der Familie vertreten sein sollte, dann  kann ich getrost darauf hinweisen, dass kein HartzIv Empfänger, der wirkliche Höhen- und Tiefenprobleme hat, jemals wieder richtig hören wird können, denn die Zuzahlungen belaufen sich für den Patienten,bei diesen Geräten zwischen 600€ und 1400€ pro Ohr, denn Herr Rösler hat KK-Zuzahlungen  geringer werden lassen, was natürlich in den Medien nicht zu lesen sein wird.!
« Letzte Änderung: Dezember 30, 2010, 22:28:24 von lenny »
Tom_
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« Antworten #9 am: März 14, 2011, 17:07:12 »

Liegt immer noch beim SG...und liegt...und liegt...

Im Bezug auf die Gleitsichtbrille hier ein Urteil:

Zitat
Sozialgericht Detmold: Gleitsichtbrille stellt Sonderbedarf nach dem SGB II dar
11.02.2011

Kosten für die Beschaffung einer Gleitsichtbrille sind als unabweisbarer, laufender, nicht nur einmaliger Mehrbedarf vom Grundsicherungsträger zu übernehmen. Dies folgt für die Zeit vor dem 03.06.2010 unmittelbar aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 09.02.2010 (1 BvL 1/09; 1 BvL 3/09; 1 BvL 4/09). Die vom BVerfG geforderte atypische Bedarfslage erklärt sich hier aus der besonderen Lebenssituation des an Diabetes mellitus erkrankten Leistungsempfängers. Dieser kann sein durch das Grundgesetz garantiertes Existenzminimum durch die pauschaliert erbrachten Leistungen nach dem SGB II nicht mehr sicherstellen. Er kann insbesondere die Kosten für die Anschaffung der Sehhilfe wegen des bereits gesundheitsbedingt erheblichen Bedarfs nicht aus der Regelleistung an- oder einsparen. Betrachtet man den atypischen Bedarf nur nach Gegenständen getrennt, so könnte es sein, dass überhaupt kein Mehrbedarf im Sinne des Urteils des BVerfG entstünde, wenn jeder Einzelposten nur einmal im Bewilligungszeitraum benötigt würde. Eine solche Sichtweise wird der Entscheidung des BVerfG nicht gerecht. Der Gesetzgeber sollte hierdurch vielmehr veranlasst werden, dafür Sorge zu tragen, dass in besonderen Härtefällen das Existenzminimum von Menschen, die regelmäßig mehr Leistungen benötigen, als sich aus dem statistischen Mittel ergibt, im untersten Netz der sozialen Absicherung ausreichend aufgefangen werden.

Urteil vom 11.01.2011 - S 21 AS 926/10 -

Dass es bei mir um SG XII geht ist letztendlich belanglos.
lenny
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« Antworten #10 am: März 14, 2011, 17:21:33 »

Das heisst, eine altersbedingte Sehschwäche  ist außen vor, obwohl auch dieser Hartz IV Empfänger nicht genug Geld haben wird, um eine Gleitsichtbrille bezahlen zu können?
Tom_
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« Antworten #11 am: März 14, 2011, 17:25:45 »

Das ist anders. Durch die Diabetes kann er nicht ansparen, weil ja hier bereits krankheitsbedingt Kosten anfallen, die über den "Standardkosten" gesunder Menschen liegen.

Vergleichbare Argumentationslagen dürften sich in vielen Fällen aufbauen lassen. Wichtig ist, dass hier erstmalig eine Gleitsichtbrille bezahlt werden muß. Frühere Urteil hatten das in allen Fällen verneint. Noch wichtiger, die Begründung basiert auf dem BVerfG Urteil vom letzten Jahr.
lenny
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« Antworten #12 am: März 14, 2011, 18:36:44 »

Das ist anders. Durch die Diabetes kann er nicht ansparen, weil ja hier bereits krankheitsbedingt Kosten anfallen, die über den "Standardkosten" gesunder Menschen liegen.

Vergleichbare Argumentationslagen dürften sich in vielen Fällen aufbauen lassen. Wichtig ist, dass hier erstmalig eine Gleitsichtbrille bezahlt werden muß. Frühere Urteil hatten das in allen Fällen verneint. Noch wichtiger, die Begründung basiert auf dem BVerfG Urteil vom letzten Jahr.


Uppsss, das sind tolle aussichten, wer äaltersbedingt  körperlichen abbau hinnehmen muß, weil er keien zusätzlichen Medikamente benötigt, der wir demnach den Rest seines Lebens schlecht hören und sehen müssen.
Vielleicht ganz gut, wenn man den ganzen Sch... nicht sieht und hört!
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